Kommentar

Lesen bleibt unverzichtbar

Archivartikel

Uwe Rauschelbach über den Tag der Bibliotheken

Lesen macht schön, schlank und sexy“, wie es in der Nachmoderation einer TV-Büchersendung heißt: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.“ Mindestens ebenso sehr dürfte jener Satz zutreffen: „Lesen gefährdet die Dummheit.“ Dieses Risiko gehen, folgt man den Statistiken im Kreis Bergstraße, immer noch viele Menschen ein, die eine der öffentlichen Bibliotheken aufsuchen. Das Buch ist zumindest scheintot, doch es lebe das Lesen! Elektronische Plattformen machen dem Buch als Druckerzeugnis Konkurrenz, aber das Lesen bleibt unverzichtbarer Bestandteil von Bildung und Menschwerdung.

Freilich muss auch richtiges Lesen gelernt werden; wer unter „Lesen“ lediglich das Konsumieren von Überschriften in Nachrichtenportalen auf dem Smartphone oder aktueller Facebook-Kommentare versteht, gibt sich mit einem eher eingeschränkten Wirkungsbereich jener Erlebnisse zufrieden, die das Lesen bietet. Besorgt stimmen deshalb Trends, wonach sich Menschen von öffentlichen Informationsangeboten abwenden, um sich in einschlägigen Chatrooms lediglich die eigene, unveränderliche Meinung bestätigen zu lassen.

Lesen ist auch Unterhaltung. Aber im besten Sinne fördert es das diskursive Denken, das stets ergänzungs- und korrekturbedürftig ist. Es erweist sich in dieser Eigenschaft auch als demokratiefördernd. Umso besser, dass es Bibliotheken gibt, die niemanden von diesem Prozess ausschließen, unabhängig von Status oder Herkunft. Deshalb sollte eigentlich jeder Tag zum Tag der Bibliotheken erklärt werden.

 
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