Kommentar

Mehr Kultur beim Wohnen

Archivartikel

Uwe Rauschelbach über den gewünschten Projektbeirat

Zumindest auf dem Reißbrett hat die Zukunft schon begonnen. Ob in Forschungsstudien oder auf Architektenplänen – an Ideen für innovative Wohnformen mangelt es nicht. Fraglich erscheint die Umsetzung. Denn zum einen gibt die herkömmliche Bebauung Maßstäbe vor; auch müssen sich neue Formen in bereits Bestehendes einfügen lassen. Zum anderen ist es mit neuen Wohnformen nicht getan. Stattdessen hat das Wohnen auch eine sozialpolitische Komponente. Erst recht angesichts einer Entwicklung, die von einer zunehmenden Individualisierung auch auf dem Wohnungsmarkt geprägt ist. Wenn kleinere Wohneinheiten an Bedeutung gewinnen, weil es weniger große Flächen gibt und sich traditionelle Familienmodelle auflösen, kommen neue Aspekte des Zusammenlebens ins Spiel, die etwa um das Problem der Vereinzelung kreisen.

Deshalb ist es mit gelockerten Bausatzungen nicht getan, um Wohnformen der Zukunft zu ermöglichen. Das signalisiert auch die Lampertheimer SPD/FDP-Koalition mit ihrem Antrag zur Einrichtung eines Projektbeirats. Indem SPD-Fraktionschef Marius Schmidt von einer „Ermöglichungskultur“ beim Bauen in Verbindung mit einer „Begegnungskultur“ in Stadtvierteln spricht, zieht er einen relativ weiten Rahmen, in dem sich kommunale und politische Verantwortung zu bewähren hat. Diese erschöpft sich ebenso wenig an Bauparagrafen wie an Belangen des sozialen Wohnungsbaus. In Konzepten für eine moderne Urbanität ist das Bauen von Wohnungen lediglich ein Element von vielen – und der Stadtumbau nicht mehr als ein zarter Anfang.

 
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