Kommentar

Mut und Geschick

Uwe Rauschelbach über das Amtsprofil von Christian Rauch

Für die Abschaffung des Zölibats, für die Zulassung von Frauen in ordinierte Ämter, gegen ein dogmatisches und damit lebensfeindliches Theologieverständnis, für die Ökumene: Mit diesen mutigen Auffassungen stellt sich Christian Rauch in die Reihe derer, die ihre Kirche lieben, sie aber für dringend reformationsbedürftig halten. Je höher die Austrittszahlen steigen, umso länger wird diese Reihe. Das kann weder in Rom noch in den Diözesen mehr unterdrückt werden. Auch nicht durch Reglementierungen und disziplinarische Zurechtweisungen. Wenn die Leitung dieser Kirche nicht möchte, dass diese weiter marginalisiert und an den Rand der Gesellschaft gedrückt wird, muss sie sich aktuellen Entwicklungen öffnen.

Der vom Mainzer Bischof angestoßene Pastorale Weg beabsichtigt nicht nur eine Strukturreform auf Dekanatsebene. Er ist auch mit einer Neuorientierung verknüpft, was das kirchliche Selbstverständnis betrifft. Der Pastorale Weg ist denn auch nur dann glaubwürdig, wenn er Aufbrüche, Abbrüche und Neuanfänge zulässt. Pfarrer wie Christian Rauch stehen für einen Kurs, der nicht in der engen kirchlichen Identifikation erstarrt, sondern in die Weite einer dynamischen Entwicklung führt. Auch Rauchs Vorgänger Patrick Fleckenstein hatte sich zu einem solchen Kurs bekannt und in Lampertheim damit zahlreiche Mitstreiter gefunden. Vielleicht war er an der einen oder anderen Stelle zu unnachgiebig. Seinem Nachfolger ist deshalb nicht nur Mut, sondern auch diplomatisches Geschick zu wünschen.

 
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