Kommentar

Neue Missstände

Archivartikel

Uwe Rauschelbach über die geplante Protestaktion

Noch hat die Bahn nicht verlauten lassen, welche der möglichen Varianten für eine Schienenneubautrasse den Vorrang bekommen soll. Das kann man positiv wie negativ deuten: Wägt sie ab, nachdem die Region gegen die Wald-, Acker- und Biotop-Zerschneidungstrasse auf die Barrikaden gegangen ist – oder rückt sie mit der Vorzugsvariante so spät wie möglich heraus, um die von der hiesigen Bevölkerung ungeliebte Variante möglichst unbehelligt durchs weitere Verfahren zu drücken?

In welche Richtung auch immer die bevorstehende Entscheidung weist, so kommt die geplante Protestaktion im September womöglich gerade noch rechtzeitig, um der Bahn nochmals ein eindeutiges Signal zu senden. Dabei wird nicht wenig davon abhängen, wie stark die Beteiligung an dieser Aktion sein wird. Im März war die Resonanz mit weit mehr als 2000 Demonstrationsteilnehmern inklusive Hubschraubereinsatz bemerkenswert. Ende September sollte möglichst noch ein wenig draufgelegt werden. Denn nun wird es ernst.

Der von Beobachtern als „Jahrhundertprojekt“ bezeichnende Lückenschluss im europäischen Schienen-Fernverkehrsnetz hat, wie immer deutlicher wird, kommunal relevante Auswirkungen auf mehreren Ebenen: Entschieden wird nicht nur über die Zukunft des Lampertheimer Waldes, sondern auch über den Wert einer Naherholungs-, einer Biotop- und einer Ackerfläche im großen Maßstab. Dabei ist die Argumentation der Lampertheimer Landwirte ähnlich wie mit Blick auf die geplante Südumgehung in Rosengarten. Allerdings mit dem Unterschied, dass in Rosengarten ein ganzer Stadtteil unter bislang ungelösten Verkehrsproblemen leidet, während im Fall der Bahntrasse keine Missstände behoben, sondern ausnahmslos neue geschaffen würden.

 
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