Kommentar

Schlimm genug

Uwe Rauschelbach über das Fischsterben im Heegwasser

Dass die Gemengelage am Lampertheimer Altrhein komplex ist, weiß man nicht erst seit dem massenhaften Fischsterben von vergangener Woche. Die Diskussion über ein Ausbaggern des Gewässers ist bislang noch immer an die Grenzen der Zuständigkeiten gestoßen, die wohl nur überwunden werden können, wenn die Zuständigkeiten geändert werden. Sprich: wenn die Stadt dem Bund den Altrhein abkauft. Welch ein Szenario, mit unabsehbaren Folgen zumal. Denn mit den Rechten erkaufte sich die Stadt auch Pflichten, die den Altrhein zu einem unkalkulierbaren Risiko machen könnten.

Für das Heegwasser, in dem jetzt Tausenden von Fischen die Luft weg geblieben ist, nachdem Wärme und Sonneneinstrahlung für eine drastische Senkung des Sauerstoffgehalts im Wasser gesorgt hatten, ist das Land Hessen zuständig. Doch die kürzeren Wege nach Wiesbaden beziehungsweise nach Darmstadt, wo das Regierungspräsidium im Auftrag des Landes arbeitet, haben auch hier zu keiner bislang einvernehmlichen Lösung geführt. Naturschutzverbände hätten etwas gegen den Einsatz von Belüftungsanlagen, heißt es. Warum dabei auch ein Monitoring – also regelmäßige Beobachtungen und Messungen – unterblieben sind, erschließt sich vor diesem Hintergrund freilich nicht.

Ob man bei Tausenden von erstickten Fischen, die zudem eine Gesundheitsgefahr für Mensch und Tier darstellen, schon von einem „Umweltskandal“ sprechen kann, wie es ein Leser dieser Zeitung vermutet, sei dahingestellt. Ganz sicher aber sind die verendeten Tiere ein „Weckruf“, von dem der Fürther Fischexperte Rainer Hennings spricht. Das Regierungspräsidium hat dieses Signal offenbar verstanden. Die Behörde verspricht, dass sich ein solches Fischsterben im Heegwasser nicht wiederholen wird. Schlimm genug, dass es nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre überhaupt noch einmal dazu gekommen ist.

 
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