Kommentar

Vielleicht mal korrigieren

Archivartikel

Uwe Rauschelbach zur Diskussion über die Sicherheitslage

Gottfried Störmer findet, dass im Stadtpark „irgendetwas“ vorgehe, „was vielleicht mal korrigiert werden muss“. Lampertheims Bürgermeister drückt sich ein wenig gewunden aus, um die Realität zu beschreiben. Anwohner und Passanten sprechen mittlerweile von einer Drogenszene. Auch wird über krawallartige Zustände in Nachtstunden geklagt. Mitarbeiter der Technischen Betriebsdienste sammeln am Morgen nicht nur Spritzen auf, sondern beseitigen Zerstörungen. Eine solche Situation gehört aber nicht nur „vielleicht mal korrigiert“. Hier muss entschieden eingegriffen werden. Präventiv oder ordnungsrechtlich? Am besten beides.

Auch sollte bei Analysen der Sicherheitslage in Lampertheim nicht länger zwischen statistischer Realität und subjektiven Empfindungen unterschieden werden. Denn zu einer realistischen Einschätzung der Lage gehören auch Eindrücke, die es nicht in eine Statistik schaffen. Pöbeleien, Geschrei, Beschädigungen führen in den meisten Fällen nicht zu Anzeigen. Dennoch kreieren solche gesellschaftlichen Missstände ein Klima der Aggression und der Unsicherheit. Weil in dieser Grauzone der Kriminalität reale Gewalt gedeihen kann, sollte die öffentliche Aufmerksamkeit nicht erst mit Blick auf statistische Zahlen erwachen. Dass Lampertheim mit der Sicherheitsinitiative Kompass bereits im Vorstadium von statistischer Relevanz aktiv werden möchte, ist zu begrüßen.

Sobald subjektives Empfinden nicht länger als individuelle Angelegenheit zart besaiteter Zeitgenossen betrachtet wird, sondern als Indikator für eine Entwicklung, die allmählich aus dem Ruder läuft, stellt sich dann auch die Frage nach konkreten Maßnahmen. Vor diesen kann sich die Stadt nicht drücken. Es sei denn, es ginge ihr nur darum, „irgendetwas vielleicht mal zu korrigieren“, um Gefühle zu besänftigen.

 
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