Kommentar

Vorteile teuer erkauft

Archivartikel

Uwe Rauschelbach über die Situation im Nahverkehr

Überall sollen wir in diesen Zeiten Abstand halten – nur im Bus herrscht dichtes Gedränge? Das ist in der Tat nicht einzusehen. Hier kommt neben der Besorgnis von Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder auch noch ein Verständnisproblem hinzu. Der Geschäftsführer der Gesellschaft Verkehr und Tourismus Lampertheim (VTL), Bernd Isenhardt, liegt deshalb richtig, wenn er sich nicht auf statistische Überprüfungen stützt (die ein entspannteres Bild von der Situation in den Schülerbussen vermitteln), sondern die Ängste der Eltern einkalkuliert. Deshalb werden nach den Herbstferien nicht nur auf der Regionallinie 644, sondern auch auf der städtischen Linie 601 zusätzliche Schülerbusse einsetzt.

Am Verantwortungs- und Finanzkonstrukt, das sich Stadt und Kreis teilen, wird sich unterdessen auf Dauer wenig ändern. Es ist in der Tat kompliziert und lässt gewisse Dysbalancen zu Ungunsten der Stadt vermuten. Denn die muss nicht nur für den Betrieb ihrer von Schülern genutzten Buslinien aufkommen – was eigentlich in den Aufgabenbereich des Kreises fällt –, sondern finanziert obendrein die Regionallinie des Kreises über die Umlage indirekt mit. Insofern sind die Vorteile, die die Stadt mit ihrer Gesellschaft genießt – etwa eine größere Flexibilität bei der Anpassung an lokale Gegebenheiten –, teuer erkauft. In eine völlige Schieflage zu rutschen droht dieses Modell mit der Neuausschreibung des künftig womöglich elektrifizierten Nahverkehrs. Hier drohen massive infrastrukturelle Investitionen.

 
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