Kommentar

Wacklige Grundlage

Uwe Rauschelbach über die Vorentscheidung zum Bauhof

Eine Entscheidung „nach bestem Wissen und Gewissen“ hat der Vorsitzende des Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschusses, Fritz Röhrenbeck, das Votum der SPD/FDP-Koalition für einen Verbleib des Bauhofs in der Industriestraße genannt. „Nach bestem Wissen und Gewissen“ bedeutet übersetzt: auf einer schwammigen Entscheidungsgrundlage. Oder zugespitzt formuliert: Man hätte theoretisch auch anders entscheiden können.

CDU und Grüne haben sich denn auch für einen Umzug des Bauhofs an die Wormser Landstraße ausgesprochen. Christdemokrat Alexander Scholl hatte hierfür folgendes Argument zur Hand: Laut Wirtschaftlichkeitsprüfung wären die Investitionskosten für einen Umzug in die Wormser Landstraße zwar höher, die errechneten Betriebskosten aber niedriger. Die Differenz beträgt jährlich rund 100 000 Euro. Da müssten also Jahrzehnte ins Land gehen, bis sich der Differenzbetrag bei den Investitionskosten in Höhe von knapp 2,5 Millionen Euro amortisieren würde. Zugleich würden sich die längeren Anfahrtswege in der Bilanz negativ niedergeschlagen. Blieben eigentlich nur die Aussichten auf ungehinderte bauliche Entwicklungen, die für den flächenmäßig größeren Standort an der Wormser Landstraße sprechen. Und die Option, in der Industriestraße die Wohnbebauung voranzutreiben.

Gerade aus städtebaulicher Sicht wäre eine gründlichere Abwägung also wünschenswert gewesen. Wenn die Koalition auch die pragmatische Lösung anstrebt, so bleibt angesichts der informellen und kommunikativen Defizite in der Debatte ein bitterer Nachgeschmack. Nun soll unter Zeitdruck über ein so folgenreiches Projekt wie die Erweiterung der Schillerschule in Verbindung mit dem Abriss des Parkhauses beraten werden. Hier müssen die Verwaltungen von Stadt und Kreis nun sehr rasch sehr viele Fragen beantworten. Denn dieses Thema verdient noch viel weniger eine wacklige Gewissensentscheidung.

 
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