Kommentar

Wahnsinn und Verdruss

Uwe Rauschelbach über die bisherige Bauhof-Debatte

So wichtig die Standortfrage für den städtischen Bauhof ist, so sehr irritiert das Gebaren der Verwaltung im Verlauf der bisherigen Debatte. Nach einem halben Jahr des Diskutierens kündigte sie Ende Juni 2019 an, ein Fachbüro einzuschalten, um die unterschiedlichen Standortvarianten bewerten zu lassen. Der Vorsitzende des Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschusses, Fritz Röhrenbeck (FDP), sprach damals mit Blick auf das verlorene halbe Jahr geleisteter Arbeit im Arbeitskreis Bauhof von „Wahnsinn“. Gemeinsam mit FDP-Fraktionschef Thomas Bittner hatte Röhrenbeck seinerzeit auch einen mangelnden Informationsfluss zwischen Arbeitskreis und parlamentarischen Gremien moniert. Die Verwaltung habe in dieser Frage „gemauert“, hieß es damals. Sogar die Legitimation eines Arbeitskreises wurde von politischer Seite angezweifelt.

Unterdessen drückte die Verwaltung mit Blick auf die sicherheitstechnischen Defizite der Bauhof-Gebäude aufs Tempo. Der Bürgermeister wollte noch mit Ende des vorigen Jahres eine Standortentscheidung erzwingen. Doch nachdem der Gutachter im Fachausschuss einen beinahe doppelt so hohen Flächenbedarf angegeben hatte als jene Zahl, die dem Arbeitskreis zugrundelag, traten die Parlamentarier auf die Bremse. Mittlerweile liegt eine dritte Größenvariante auf dem Tisch. Obendrein gab es Anlass zu Verdruss, nachdem die Verwaltung das 62-seitige Gutachten für die Standortbewertung den Fraktionen offenbar erst unter Druck herausgegeben hat. Der Verdacht, der Bürgermeister wolle nicht riskieren, dass seine Position für einen Standort an der Wormser Landstraße politisch unterlaufen wird, steht nunmehr im Raum.

Bleibt zu hoffen, dass die Parlamentarier die wichtige Entscheidung über die Zukunft des städtischen Bauhofs nun tatsächlich auf einer seriösen Grundlage treffen können. Anlass, dies zu bezweifeln, hat es im zurückliegenden Jahr gleich mehrfach gegeben.

 
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