Kommentar

Weitblick erwünscht

Uwe Rauschelbach über die Neukonzeption für den Bahnhof

An Bahnhöfen scheiden sich die Geister. Die einen lümmeln herum, die anderen suchen schleunigst das Weite. Auf Bahnhöfe geht man in der Regel nur, um schnell wieder wegzukommen – oder um trübe Geschäfte zu tätigen. In vielen Städten sind Bahnhöfe Stätten des Grauens, von Bürgern gefürchtet, von Schattenwesen bevorzugt. Dass Bahnhöfe auch angenehme Begegnungsorte sein können, mag Gegenstand der modernen Städteplanung sein. Die Realität sieht, auch in Lampertheim, anders aus.

Damit soll es ein Ende haben. Studenten der TU Kaiserslautern arbeiten an einem Konzept für das Umfeld des Bahnhofsgebäudes. Es soll nicht nur optisch und ökologisch aufgewertet werden, sondern auch den steigenden Ansprüchen des Öffentlichen Nahverkehrs gewachsen sein. Gedacht ist an eine Art Drehscheibe, auf der man von einem ins andere Beförderungsmittel wechseln kann, möglichst ohne lange Wartezeiten und mit Aufenthaltsqualität ausgestattet, die zumindest spontane Fluchtimpulse unterdrückt.

Die besondere Herausforderung dürfte sein, das Bahnhofsgebäude ins Konzept zu integrieren. Und das sowohl für den Fall, dass sich die Stadt in den Besitz der Immobilie bringt als auch für den wahrscheinlicheren Fall, dass die Bauruine ungenutzt bleibt. So oder so zeigt sich, dass es seinerzeit ein Fehler war, das Gebäude nicht in städtischen Besitz gebracht zu haben. Umso mehr bleibt es der studentischen Fantasie überlassen, aus der nüchternen Faktenlage eine Vision zu entwickeln. Eine, die zwar die Fehler der Vergangenheit nicht heilen kann, aber von realistischem Weitblick getragen ist.

 
Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional