Kommentar

Wille zur Veränderung

Uwe Rauschelbach über den Arbeitskreis Energie

Einen Klima-Notstand wollen die Bürstädter Grünen ausrufen. Und in Lampertheim? „Den Klima-Notstand muss man nicht beschließen, der ist schon da“, meint SPD-Fraktionschef Marius Schmidt. Er ist auch Vorsitzender des Arbeitskreises Energie, der soeben ein Maßnahmenpaket zum Schutz des Klimas schnüren will, damit sich anschließend die parlamentarischen Gremien damit befassen. In der Tat dürfte der Begriff eines Klima-Notstands nicht über seine Signalwirkung hinausreichen. Konkrete Folgen lassen sich daraus nicht ableiten. Im Unterschied zu seinem Konzept, mit dem sich der Arbeitskreis Energie zu Beginn der kommenden Woche befassen will.

Natürlich rettet ein Lampertheimer „Klimaretter“ das Weltklima nicht. Und natürlich beeindruckt es die CO2-gesättigte Atmosphäre wenig, wenn ein Lampertheimer Autofahrer ein paar Tage lang aufs Fahrrad umsteigt. Doch jeder noch so marginale Beitrag ist vom Willen zur Veränderung getragen – und damit von hohem Wert für eine Entwicklung, die auf eine breite bürgerschaftliche Basis angewiesen ist. Die Sensibilisierung für eine gesündere Umwelt beginnt auf kommunaler Ebene und bei jedem Einzelnen. Sie darf deshalb auch ruhig schon im Kindesalter einsetzen.

Neben solchen Aktionen, wie sie jetzt der Arbeitskreis Energie vorbereitet, sollte der Blick aufs kommunale Ganze aber nicht verloren gehen. Phänomene wie das Fischsterben im Lampertheimer Altrhein, aber auch die permanenten Konflikte zwischen Bauinteressen, landwirtschaftlichen Flächen und Biotopen gehören ebenso auf die politische Tagesordnung. Wichtig wären Leitfäden für politische Entscheidungen, wie sie mit dem für Ende dieses Jahres angekündigten stadtklimatischen Gutachten erwartet werden. Zu wünschen wäre freilich, dass es diesbezüglich nicht bei klimarelevanten Anträgen der sozialliberalen Mehrheitskoalition bleibt. CDU und Grüne könnten stattdessen durch eigene Anträge zusätzlich Profil erwerben, indem sie den beherzten Einsatz für den Klimaschutz mit den ureigenen Interessen ihrer Kernwählerschaft verknüpfen.

 
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