Lampertheim

Gericht Frau eingesperrt und mit Messer bedroht

29-Jähriger verliert die Kontrolle

Archivartikel

Lampertheim/Darmstadt.Weil er seine Ex-Freundin in deren Wohnung vier Stunden lang eingesperrt, ihr mehrfach ein Küchenmesser an den Hals gehalten und gedroht hat, sie umzubringen, hat Strafrichterin Stephan am Amtsgericht Darmstadt einen 29 Jahre alten Mann aus Lampertheim wegen Freiheitsberaubung, vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Der aggressiv gewordene Liebhaber muss außerdem zweihundert Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten und drei Jahre lang regelmäßig Kontakt zu einem Bewährungshelfer halten. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Zu Prozessbeginn hatte der Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt, allerdings bestritt er bis zuletzt, ein Messer bei sich getragen zu haben. Er will seiner ehemaligen Lebensgefährtin lediglich gedroht haben, kompromittierende Fotos aus dem Internet ihrer Familie zukommen zu lassen. „Ich hatte die Kontrolle verloren“, erklärte er, sagte aber auch: „Sie hat Angst gehabt.“ Gewalt sei in jener Nacht vom 10./11. Oktober 2017 nicht im Spiel gewesen. Er sei gekommen um zu reden.

Mit Trick Zutritt verschafft

Nach Überzeugung des Gerichts und Staatsanwältin Kathrin Männle hat sich der Vorfall aber genau so abgespielt, wie ihn die 22-Jährige in ihrer Vernehmung geschildert hat. Demnach hat sich ihr Ex-Freund mit einem Trick Zutritt zu ihrer Wohnung in Darmstadt verschafft, die Flurtür abgeschlossen, den Schlüssel eingesteckt und ihr ein Messer an den Hals gehalten.

„Er war außer sich. So wütend habe ich ihn noch nie gesehen“, berichtete die Studentin, die sich kurze Zeit zuvor von ihm getrennt hatte. Sie sei sich sicher gewesen, dass „er gekommen ist um mich umzubringen.“ Dies habe er mehrfach so geäußert, auch dass er ihr Leben und das ihrer Familie zerstören wolle.

Nach ihrer Schilderung zerrte sie der Angeklagte auf das Sofa und hielt ihr den Mund zu, damit sie nicht weinen oder schreien konnte. Das Messer mit einer cirka acht Zentimeter langen Klinge hielt er dabei die ganze Zeit in der Hand. „Nach ein paar Stunden habe ich zu allem ja gesagt was er wollte, damit er runter kommt“, so die Geschädigte, die von Todesangst sprach. Gegen 4 Uhr morgens habe er schließlich ihre Wohnung verlassen.

Schlägerei mit dem Nachbarn

Bereits vor dem Übergriff hatte der 29-Jährige dem Opfer mehrfach aufgelauert und es verfolgt, so dass die Frau bei der Polizei schließlich ein Annäherungsverbot gegen ihren früheren Freund erwirkte. Außerdem schilderte sie eine Schlägerei zwischen ihm und einem Nachbarn, den er fälschlicherweise für ihren neuen Partner hielt.

Die Zeugin machte ihre Aussage teilweise unter Tränen und sprach von psychischen Folgen der Tat. An körperlichen Beschwerden zählte sie Schmerzen im Wangen- und Kiefernbereich und an den Oberarmen auf. Staatsanwältin Männle sah die Vorwürfe in der Anklageschrift in vollem Umfang bestätigt. Sie beantragte eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten und eine Arbeitsauflage.

Der Angeklagte sei eindeutig von seinem Opfer überführt worden, bestätigte Richterin Stephan in der mündlichen Urteilsbegründung. Die 22-Jährige habe dabei keinen übermäßigen Belastungseifer gezeigt. Die Angaben des Täters vielmehr seien widersprüchlich. sg

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