Lampertheim

Philosophie Diskussionsforum öffnet sich jungen Menschen

Abiturienten diskutieren „bei Anton“

Archivartikel

Lampertheim.Klimaaktivistin Greta Thunberg steht Pate, wenn sich die Abiturklasse „Politik/Wirtschaft“ des Lessing-Gymnasiums an diesem Sonntag „bei Anton“ trifft. Erstmals nehmen am Gesprächsforum des Lampertheimer Philosophen Anton Schmitt aktiv Schüler teil. Fünf Abiturienten der Klasse wollen im Beisein ihrer Mitschüler kontroverse Thesen zum Thema „Probleme unserer Demokratie und Verbesserungsvorschläge“ vortragen und darüber diskutieren.

Das Projekt versteht sich als Reaktion auf die „Fridays for Future“-Bewegung, wie Anton Schmitt im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert. Mit der Teilnahme am Forum soll jungen Erwachsenen ein Podium geboten werden, um sich politisch zu äußern und sich im demokratischen Meinungsbildungsprozess zu engagieren.

Gedacht ist auch an Besuche der Tagung eines kommunalen parlamentarischen Gremiums oder an die Begleitung eines Berufspolitikers bei seiner täglichen Arbeit. Ebenso vorgesehen sind Gespräche zwischen Jugendlichen und älteren Menschen im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Relevanz von Politik und dem aktuellen Zustand des demokratischen Systems.

Jugendliche erleben ihre Welt

Über allem steht für Anton Schmitt die Frage: „Wie erleben Jugendliche heute ihre Welt?“, und das auch unabhängig von ökologischen Aspekten, die in der „Fridays for Future“-Bewegung mit Blick auf den Klimawandel überwiegen. Die Philosophie eignet sich nach Schmitts Auffassung als Fundament, um unterschiedliche Meinungen gegeneinander abzuwägen.

Dabei verfolgt der Denker durchaus auch die Absicht, das Gespräch aus den elektronischen Foren in eine Sphäre zurückzuverlegen, in der ein direkter und persönlicher Austausch möglich ist. Dorthin nämlich, wo man sich gegenübersitzt und einander in die Augen schauen kann, indem man aus dem Schutz der Anonymität tritt.

Anton Schmitt hat die Abiturklasse des Lessing-Gymnasiums zuvor aufgesucht und mit den Schülern den Sinn und den möglichen Verlauf des Forums durchgesprochen. Sein Ziel dabei ist es auch, jungen Erwachsenen als mündigen Personen eine Stimme außerhalb des geschlossenen Raums einer Schulklasse zu geben. Auch Erwachsene seien häufig in Kommunikationszirkeln eingeschlossen, wie der Philosoph beobachtet hat. Hier sei es wünschenswert, kommunikative Prozesse zu stiften, die erstarrte Positionen in der politischen Meinungsbildung auflösen können.

Provozierende Thesen

Im Falle des philosophischen Schülerforums an diesem Sonntag wollen sich die Teilnehmer durchaus auch mit heiklen Themen auseinandersetzen. So wollen sie sich auch mit provozierenden Thesen befassen. Etwa jenen wie der Sterbehilfe als verbürgtes Grundrecht, der Einführung der Todesstrafe für Schwerstkriminelle, der Einschränkung von Freiheitsrechten für den Klimaschutz oder des Führerscheinentzugs für ältere Menschen.

Auch Auffassungen wie etwa die Einstufung der Abtreibung als Morddelikt, die Bedeutung des muslimischen Glaubens für die öffentliche Sicherheit oder das Phänomen des Antisemitismus wollen sich die Redner stellen. Für Diskussionsstoff ist fraglos gesorgt. urs

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