Lampertheim

Religion Bei Neujahrsempfang für Miteinander geworben / Gegenseitiges Vertrauen im Dialog finden

Ahmadiyya-Gemeinde will sich stärker einbringen

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Frieden, Toleranz und Nächstenliebe: Für diese friedliche Islam-Lehre tritt die Ahmadiyya Muslim Jamaat nach eigenem Bekunden ein. Und sie sagen: „Wir sind alle Deutschland“. Die Lampertheimer Gemeinde der weltweit tätigen Organisation hat das einmal mehr beim Neujahrsempfang im Alten Rathaus unter Beweis gestellt.

Ohnehin sind die rund 120 Gemeindemitglieder in der Spargelstadt keine Unbekannten. Gemeinsam mit einer eigenständigen Frauenorganisation, die etwa 40 Mitglieder hat, engagieren sie sich seit Jahren auch für das Gemeinwesen in Lampertheim. Etwa bei der jährlichen Reinigungsaktion am Neujahrsmorgen oder bei Blutspendenaktionen. Ihr wichtigstes Anliegen aber ist der Dialog und das Miteinander. Deshalb sind die Muslime oft in der Fußgängerzone unterwegs und wollen dort über den „wahren Islam“ und seine friedliche Lehre aufklären. Ihre Glaubensauslegung bezeichnen sie als korantreu und reformoffen. „Wir wollen informieren, nicht missionieren“, erklärte der junge Imam Afaq Ahmad und betonte: „Wir sind als Ansprechpartner vor Ort, um den Menschen Ängste zu nehmen“. Man wolle sich einfach austauschen und besser kennen lernen in der gemeinsamen Stadt und dem gemeinsamen Land, das für die Ahmadis ihre Heimat ist. Dabei scheut die Gemeinde auch keine Gespräche mit Andersdenkenden oder rechts orientierten Politikern und Bürgern. Etwa im November trat der junge Imam in der Zehntscheune in den Dialog mit der AfD.

Als Beispiel dafür diente auch der jüngste Neujahrsempfang. Nach einem Gebet aus dem Koran, das auch auf Deutsch gesprochen wurde, zeigte die Gemeinde einen Kurzfilm über das weltweite Wirken der Dachorganisation im vergangenen Jahr. Die Religionsgemeinschaft, die in Indien ihren Ursprung hat, wird von einem Kalifen als spirituelles Oberhaupt geführt. In Deutschland hat die Gemeinschaft etwa 40 000 Mitglieder und betreibt 50 Moscheen. Die Lampertheimer Gemeinde sucht allerdings schon seit zwei Jahren vergeblich nach einem Gemeinderaum. Dass die Muslime erneut Vertreter diverser politischer Fraktionen und anderer Kirchen eingeladen hat bezeichnete Bürgermeister Gottfried Störmer in seinem Grußwort als „gemeinsames Signal“ und eine tolle Möglichkeit, „sich besser kennen zu lernen“. Er ermutigte die Gemeinde trotz oder gerade wegen des „Trends zum Nationalismus und zur Ausgrenzung in der Politik“, sich weiter für das Miteinander in Lampertheim einzusetzen.

Baptisten-Pastor Jörg Lüling bedauerte derweil, dass nicht alle die Einladung wahrgenommen haben. Außer ihm war nur die evangelische Lukasgemeinde mit Pfarrer Sven Behnke zum Austausch gekommen. „Unterschiedliche Positionen hindern uns doch nicht an Gemeinsamkeiten“, betonte Lüling. ksm

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