Lampertheim

Gedenken Briefe des von den Nazis ermordeten Paters verlesen

Alfred Delp: Standhaft bis zuletzt

Archivartikel

Lampertheim.Jüngst erst erinnerten Kirchengemeinden, die Stadt und der Bürgerstiftung Alfred Delp an dessen 75. Todestag. Dabei wurde der Pater „ein leuchtendes Vorbild in dunklen Zeiten“ genannt. Wie sehr das zutrifft, hat nun Delps katholische Heimatgemeinde St. Andreas gezeigt, indem sie Einblicke in dessen Seelenleben boten.

Denunziert und zu Unrecht von den Nazis beschuldigt wurde Delp am 28. Juli 1944 nach der Frühmesse verhaftet; in einem Schauprozess wurde er verurteilt und hingerichtet. Wegen seiner Mitwirkung bei der Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“, seiner Ordenszugehörigkeit und auch wegen seiner christlich-sozialen Weltanschauung.

Gemeindemitglieder verlasen nun heimlich verfasste und aus dem Gefängnis geschmuggelte Briefe des in Lampertheim aufgewachsenen Jesuitenpfarrers. Trotz der Ungerechtigkeit, die ihm durch das NS-Regime widerfuhr, war es nicht etwa Hass, der sich in Delps Texten zeigt. Vielmehr vertraute der Pater bis zuletzt auf Gott – auch „wenn ich amtlich schon abgeschrieben bin“.

Die Briefe belegen indes nicht nur Delps festen Glauben, sondern offenbaren auch dessen Zweifel mit Blick auf den Prozess und dessen Ausgang. „Wann werde ich wohl wieder als Pater Alfred Delp angesprochen?“, fragt er sich Ende 1944 in einem Schreiben. Obwohl der Jesuit „fest an das Leben glaubt“, zerbrach im Laufe dieser Monate offenbar zunehmend seine Selbstsicherheit. „Es gibt nur zwei Auswege. Der Gang zum Galgen in das Licht Gottes oder ein Wunder.“ Dennoch blieb der Pfarrer standhaft, war bereit für seine Überzeugungen zu sterben. So schlug Delp etwa ein Angebot der Gestapo auf „Freilassung gegen Ordensaustritt“ aus. Stattdessen legte er am 8. Dezember 1944 seine letzten, feierlichen Gelübde ab. Beim Gang zum Galgen in Berlin-Plötzensee sind die Worte „In wenigen Augenblicken weiß ich mehr als Sie“ an den Gefängnispfarrer übermittelt.

104 Kassiber sind überliefert

Ähnliches formuliert Delp auch in seinen „Kassibern“, wie die heimlichen Schriften genannt werden. 104 davon sind bis heute überliefert. Zum großen Teil mit gefesselten Händen in der trostlosen Todeszelle verfasst, unterschrieben mit unterschiedlichsten Pseudonymem: Max, Georg, Bullus, Lotterer, Der Patient oder Blutenberg.

Sein allerletztes Schriftstück vom 30. Januar 1945 beinhaltet nur drei Zeilen: „Beten und glauben. Danke. Dp.“ Gelesen wurden die Schriftstück nun in der Andreaskirche von Michael Koch, Florian Weppelmann, Alice Zelonka, Monika Windörfer sowie Beatrix und Helmut Holz. Dazu gab es Musik von Andreas Fischer, Anna Sophie Glaser und Pfarrer Christian Rauch an der Orgel. ksm

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