Lampertheim

Umwelt Nach der Lichter-Demo im März steht nun die Landwirtschaft im Mittelpunkt / 10 bis 16 Uhr in der Heide bei Neuschloß

Am Sonntag großer Protesttag gegen die C-Variante für den ICE

Archivartikel

Lampertheim.Das klingt eher wie inständiges Bitten denn als bloßer Aufruf: „Jeder Lampertheimer und Neuschloßer, der laufen kann, muss am Sonntag in die Heide kommen.“ Ulrich Guldner sagt das drei Mal während der Pressekonferenz der Bürgerinitiative Lampertheim (Bila) am Montagabend. Der Sprecher hat einen gewichtigen Mitstreiter an seiner Seite. Willi Billau, Vorsitzender des Regionalbauernverbands Starkenburg, mit seinen Kollegen und die Bila machen am kommenden Sonntag, 22, September, von 10 bis 16 Uhr gemeinsame Sache gegen die Variante C als neuer Trasse für den ICE. Diesmal mit einem sieben Kilometer langen Rundweg durch die Heide inklusive Infoständen.

Die C-Trasse würde die Natur von Lorsch bis Mannheim durchschneiden. Nicht nur den Wald, sondern auch außergewöhnlich ertragreiche Anbauflächen, wie Billau erklärt. Guldner, Billau und alle anderen Akteuren ist es bitter ernst mit dem Aufruf zur Teilnahme an der Protestaktion. Sie befürchten einen unerhörten Frevel an der Natur, an der Landwirtschaft, an der Region und der Zukunft ihrer künftigen Generationen. „Jeder, der laufen kann, . . .“, sagt Guldner wieder.

Wertvolle Eiszeitsande

Und sein Bila-Kollege Karl Heinz Barchfeld: „Unterschriftenlisten kümmern die Bahn kaum. Aber wenn am Sonntag ein paar Tausend Leute auf der Heide gegen die C-Trasse protestieren, wird das bestimmt Wirkung zeigen. Große Proteste beeindrucken die Bahn.“

Die erste große Aktion in diesem Jahr, die Lichter-Demo bei Neuschloß, hatte über 2000 Menschen mobilisiert. Damals stand der Schutz des Waldes im Mittelpunkt. Wenn die Aktion am Sonntag zum Schutz der landwirtschaftlichen Flächen und damit der Bauern steigt, „müssen noch viel mehr Leute kommen als im März bei der Lichter-Demo“, bittet Guldner.

Im bewaldeten Bereich wäre die C-Trasse des ICE wegen der Fallhöhe der Bäume 80 Meter breit, auf freiem Gelände 40 Meter. Der promovierte Agrarwissenschaftler Willi Billau erklärt die Besonderheit der Böden in der Heide bei Neuschloss. Sehr wertvolle eiszeitliche Sande seien hier abgelagert. Sie seien fruchtbar für mehrere Ernten im Jahr und könnten immer bewirtschaftet werden. Sei das Befahren dichterer Böden mit Landmaschinen bei oder nach Regenfällen nicht erlaubt, könne in der Heide immer gefahren werden. Der Sand halte das Wasser kaum, und große Gewichte könnten ihn nicht verdichten.

Die Folge ist ein vergleichsweise hoher Ertrag für die Landwirte, auf den sie laut Billau vor dem Hintergrund des Rückbaus landwirtschaftlicher Flächen angewiesen seien. Außerdem wüchsen hier Nahrungsmittel vor den Augen der Menschen, die sie auch konsumierten. „Das ist doch wohl besser als Ware aus Südamerika“, betont Billau.

Sieben Kilometer führen am Sonntag ab 10 Uhr durch die Heide entlang markanter Punkte. An sieben Stationen (siehe Grafik) machen Betroffene und Experten auf spezielle Einbußen in der Natur aufmerksam, sollte die C-Trasse kommen. So am Biotop Grube Feuerstein. Hier würden der Zuglärm und die Kollisionsgefahr die Vogelwelt beeinträchtigen sowie streng geschützter Fledermausarten gefährden oder vertreiben. An einem Spargelhäuschen etwa zeigen Landwirte den Einfluss auf den Anbau regionaler Produkte und veranschaulichen die Einbußen an Fläche. Insgesamt würden hier heute noch rund 40 Hektar (1 Hektar = 10 000 Quadratmeter) bewirtschaftet, so Billau.

Die Initiatoren appellieren, zu Fuß oder mit dem Rad zu kommen. Auf dem Rundweg sind vier Traktoren mit Rollen als Shuttle unterwegs. Es ist für Rast und Verpflegung sowie Sanitäranlagen gesorgt.

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