Lampertheim

Interview Kegler des Bundesliga-Aufsteigers SG Lampertheim bezeichnen mannschaftliche Geschlossenheit als größte Stärke – doch verstecken kann sich niemand

„Auf der Bahn ist jeder alleine“

Lampertheim.Der Aufstieg in die 1. Bundesliga ist immer etwas Außerordentliches – eine Riesenleistung. Genau die haben die Kegler der SG Lampertheim in der gerade abgeschlossenen Saison erbracht (wir berichteten). Als Aktive einer sogenannten Randsportart müssen sie trotz des Erfolgs weiter um Aufmerksamkeit kämpfen. Der „Südhessen Morgen“ sprach mit den Spielern Frank Lößner und Kevin Günderoth sowie Pressewart Frank Griesheimer.

Bundesliga-Kegeln in Lampertheim – das gab es zuletzt vor 40 Jahren und nun wieder. Warum ist der Aufstieg gerade jetzt gelungen?

Griesheimer: Den Aufstieg kann man nicht nur am vergangenen Jahr festmachen. Eine entscheidende Rolle hat der sportliche Zusammenschluss dreier Clubs des Vereins Lampertheimer Kegler (VLK) vor drei Jahren gespielt. Dadurch verfügen wir über einen Pool von acht bis zehn Leuten, die auf ähnlich hohem Niveau spielen. Mit Ralf Schmitt hat sich uns dann noch vor einem Jahr ein sehr erfahrener Mann mit mehr als 500 Bundesliga-Einsätzen angeschlossen. Das war schon fast so etwas wie eine göttliche Fügung.

Günderoth: Ralf Schmitt hat die anderen Spieler mitgezogen, so dass sich unser Niveau insgesamt nach oben verschoben hat. Wir waren von allen Teams die konstanteste Mannschaft. Hinzu kommt, dass wir am dritten Spieltag gegen den Tabellenletzten zum rechten Zeitpunkt verloren haben. Dadurch haben wir gemerkt, dass die Saison kein Selbstläufer wird. Ganz wichtig für unseren Erfolg waren sicherlich auch unsere Zuschauer. Im Schnitt waren über 100 Leute bei den Heimspielen dabei. Das ist für unseren Sport sehr viel und spornt enorm an.

Was wird sich für Sie in der neuen Saison als Bundesliga-Mannschaft ändern?

Lößner: Wir bleiben auch weiterhin reine Amateure. Personell wird sich ebenfalls nichts verändern. Wir haben alle ein freundschaftliches Verhältnis, die Mannschaft harmoniert und dann stimmt auch die Leistung. Bis auf einen kommen alle aus Lampertheim. Die Zuschauer kennen uns und wollen uns gerade deshalb sehen.

Griesheimer: Es gibt in der Bundesliga zwei, drei Mannschaften, die vorangehen, die das Ganze professioneller betreiben. Aber mit Geld kann eben auch viel kaputtgehen. Bei uns erhält niemand einen Cent – im Gegenteil. Jeder Spieler muss seine Bahnzeiten selbst bezahlen.

Welches sportliche Ziel haben Sie sich für die neue Saison gesteckt?

Lößner: Es geht ab dem 1. Spieltag gegen den Abstieg. Aber für die eine oder andere Überraschung könnte es vielleicht reichen.

Es gibt T-Shirts und Handtücher zu kaufen mit dem Aufdruck „Wenn Kegeln einfach wäre, würde es Fußball heißen“. Was halten Sie von dem Spruch?

Griesheimer: Bei uns ist die Leistung des einzelnen mess- und sichtbar, so dass sich niemand in der Mannschaft verstecken kann. Wir sind zwar ein Mannschaftssport, aber auf der Bahn ist jeder alleine. Anders als im Fußball, wo man als Torwart oder Abwehrspieler einer dominierenden Mannschaft vielleicht schon mal kleine Pausen hat, bleibt uns während einer Begegnung keine Zeit zum Regenerieren.

Wenn der SV Waldhof Mannheim in der Relegation um einen Platz in der 3. Liga spielt, wollen das 25 000 Leute sehen. Sie als Bundesliga-Aufsteiger freuen sich schon über 100 Zuschauer. Wie sehr nervt es Sie, dass Kegeln so wenig öffentliche Beachtung findet?

Lößner: Es nervt natürlich schon. Aber noch wesentlich schlimmer finde ich, dass uns immer noch das alte Klischee vom Thekensport anhaftet. Dabei herrscht bei uns während des Spiels absolutes Alkohol- und Rauchverbot. Unser Verband unterliegt übrigens auch den Regularien der NADA (Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland, Anm. d. Red).

Warum genießt eigentlich Bowling – Ihr Bruder aus Übersee – ein viel cooleres Image als Kegeln?

Günderoth: Bowling ist einfacher, kürzer und klarer.

Imageprobleme sind nicht gerade förderlich, um Nachwuchs zu gewinnen. Wie sieht es bei Ihnen in dem Bereich aus?

Griesheimer: Obwohl wir eine eigene Jugendabteilung haben, ist das Thema Nachwuchs eines der größeren Probleme, für das wir im Moment keine Patentlösung haben.

Lößner: Durch die Ferienspiele, die wir jeden Sommer anbieten, bleibt schon der eine oder andere bei uns hängen. Aber Kegeln ist ein technisch anspruchsvoller Sport, da braucht es Geduld. Kinder und Jugendliche wollen aber meist schnelle Fortschritte und Erfolge sehen.

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