Lampertheim

Biedensand-Bäder Mit den Temperaturen steigt die Nachfrage / 250 Gäste pro Zeitfenster / Kinder vermissen Rutsche und Spielgeräte

Badespaß mit Einschränkungen

Lampertheim.Sommer, Sonne, Badespaß: Für viele gehört der Schwimmbad-Besuch zum Sommer wie das Amen in die Kirche. Doch die Corona-Pandemie hat die Freibadsaison erst verschoben, dann gehörig eingeschränkt. Als erstes Freibad im Kreis hatten die Biedensand-Bäder am 15. Juni geöffnet. Anfangs durften sich nur 50 Personen gleichzeitig auf der Anlage aufhalten, inzwischen sind 250 Besucher pro Zeitfenster gestattet. Der „Südhessen Morgen“ hat bei Badegästen nachgefragt, wie sich ein Besuch inzwischen anfühlt.

Es ist heiß. Die Sonne brennt, Wolken sind nur vereinzelt zu sehen. Und doch sind die sattgrünen, bestens gepflegten Wiesen fast leer. Alle zehn, fünfzehn Meter liegen ein paar einsame Handtücher. Auch im Becken ist so viel Wasser wie nie zu sehen. Wenige Kinder planschen, eine Handvoll Schwimmer zieht Bahnen. Es ist schon ein paradoxes Schauspiel, das sich im Sommer 2020 mit Abstands- und Hygieneregeln in Schwimmbädern zeigt. Von einer Freibad-Normalität ist man zumindest in der Spargelstadt noch meilenweit entfernt. „Die Atmosphäre stimmt einfach nicht“, sagt eine Mutter. Sie ist in einer größeren Gruppe mit vielen Kindern gekommen. Die vermissen allerdings zahlreiche Spielmöglichkeiten. Für die Familien ist der Schwimmbad-Besuch „zwangsläufig“ zum Ersatzurlaub geworden. „Schon ein bisschen traurig“ sei es, die große Anlage so leer zu sehen.

„Wir können unter den jetzigen Voraussetzungen gar kein Freibadfeeling herstellen“, erklärt Bäder-Chef Jens Klingler. Dem Geschäftsführer ist es wichtig, klarzumachen: „Eine Freibadsaison in der herkömmlichen Form gibt es nicht.“ Das könne aktuell auch nicht das Ziel sein. „Das geht einfach nicht. Wir wollen den Menschen das Schwimmen unter relativ sicheren Voraussetzungen ermöglichen“, betont er. Dieses Vorhaben scheint zu gelingen.

„Entspannter als sonst“

Viele Besucher freuen sich sogar über die neu gewonnene Form der Freiheit im Schwimmbad. „Das ist viel entspannter als sonst“, freut sich etwa eine Kleinfamilie beim Warten vorm Eingang. „Zu dieser Jahreszeit wäre es normalerweise so voll, dass es sowieso keinen Spaß mehr macht“, gibt ihr die Frau dahinter recht. Um kurz nach 16 Uhr müssen sie über eine Viertelstunde anstehen, denn der Besuch ist in Zeitfenster eingeteilt, die 250 Gäste nutzen können. Freitags öffnet das Bad etwa von 8 bis 10 Uhr, von 11 bis 15 Uhr und von 16 bis 19 Uhr. Dazwischen werden die Becken gereinigt. Endet das Zeitfenster, darf man nicht mehr ins Becken, aber noch auf der Anlage verweilen.

Anmeldung problemlos

Die Anmeldung erfolgt telefonisch oder online. Die verhältnismäßig strikten Regeln haben dem Schwimmbad besonders in den sozialen Netzwerken anfangs viel Kritik eingebracht. Vor allem, weil Zeit- und Dauerkarten nicht nutzbar waren. Das hat sich inzwischen geändert. Einige Leser hatten dem Schwimmbad „katastrophale Organisation“ vorgeworfen und von tagelangem Warten auf Antworten zu Buchungen berichtet. Auch das scheint mittlerweile besser zu funktionieren. Zumindest sprachen alle befragten Gäste am Freitag von einer „einwandfreien“ und „völlig problemlosen“ Abwicklung via Telefon oder Homepage und Bezahlung vor Ort. „Schade ist aber, dass ich um 16 Uhr erst eine halbe Stunde warten muss“, findet Carolin Münch. Sie geht regelmäßig im Freibad schwimmen. Für das ohnehin knappe, dreistündige Zeitfenster geht zusätzlich Zeit zum Umziehen und Verlassen ab. Effektiv bleibe da nicht mehr viel Zeit – dennoch bezahlen Gäste den vollen Preis von vier Euro. „Man könnte wenigstens bis 20 Uhr öffnen“, meint Münch. Auch für Montag bis Mittwoch, wenn das Bad ausschließlich für Vereine offen ist, hat sie einen Vorschlag: „Den See und die Grünflächen könnte man doch öffnen, gerade für Familien. Es ist doch genug Platz.“

Bäder-Chef Klingler erinnert bei aller Kritik daran, dass das Freibad das erste im Kreis gewesen sei, dass überhaupt geöffnet hatte. Es ist schnell zu erkennen, dass sich die Besucher in zwei Lager teilen. Wer nur schwimmen möchte, freut sich über den vielen Platz. „Familien leiden aber“, macht eine Besucherin klar. Spielgeräte, Sandkasten und Rutsche sind zum Verdruss ihrer Kinder gesperrt. „Anderswo geht das doch auch“, so die Kritik. Das müsse jedes Schwimmbad selbst verantworten, lautet Klinglers Antwort. Die regelmäßige Desinfektion von Geräten, die nicht dauerhaft mit Chlorwasser in Kontakt sind, könne man schlichtweg nicht gewährleisten. „Das Risiko ist zu groß“, betont er – und will lieber „einen Schritt zu vorsichtig als andersrum“ agieren.

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