Lampertheim

Chemie Im Zuge der Stellenstreichungen wird auch das südhessische Werk geprüft / Gewerkschaft hat keinen Hinweis auf tiefe Einschnitte

BASF Lampertheim: Kaum Jobs in Gefahr

Archivartikel

Lampertheim.Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Chemieriesen BASF könnten auch Auswirkungen auf Lampertheim haben. Denn zum Ludwigshafener Konzern gehört auch ein großes Werk in der südhessischen Stadt. Dort sind aktuell mehr als 800 Menschen beschäftigt.

800 Menschen am Standort

Der Chemiekonzern plant, in den kommenden Jahren weltweit etwa 6000 Stellen in der Verwaltung zu streichen. Etwa die Hälfte davon dürfte Unternehmensangaben zufolge in Deutschland abgebaut werden. Die meisten davon im Stammsitz in Ludwigshafen, zu dem auch das Werk in Lampertheim gehört. Dass auch der südhessische Standort davon betroffen sein könnte, wollte eine Sprecherin des Konzerns am Donnerstag nicht ausschließen. „Die Situation aller BASF-Standorte wird geprüft. Allerdings dürfte es noch einige Zeit dauern, bis Entscheidungen fallen“, sagte sie auf Anfrage. Tatsächlich soll der Stellenabbau bis Ende 2021 vonstatten gehen, wie der BASF-Vorstandsvorsitzende Martin Brudermüller mitgeteilt hatte.

Während der weltweit größte Chemiekonzern vor allem in der Unternehmensverwaltung streichen will, so die Sprecherin, gebe es in Lampertheim auch viele Stellen, die eben nicht in der Verwaltung angesiedelt sind. Zwar arbeiteten auch Mitarbeiter aus diesem Bereich am südhessischen Standort. Viele Angestellte seien aber auch auch in Abteilungen tätig, die weniger von einem Stellenabbau betroffen sein dürften.

Fachkräfte in Lampertheim

„In Lampertheim arbeiten beispielsweise auch Kräfte für die Produktion, die Technik und die Digitalisierung“, sagte die Sprecherin. In diesen Bereichen benötige die BASF nach wie vor weiterhin Fachkräfte. Aus diesem Grund war die Zahl der Arbeitsplätze im Ludwigshafener Stammwerk zuletzt auch gestiegen. „Je nach Wachstum könnten in diesen Bereichen auch künftig weitere Stellen geschaffen werden“, fügte die Sprecherin hinzu. Gleichwohl sei dies noch nicht ausgemacht und hänge von vielen Faktoren ab.

Anfang des Monats musste der weltweit größte Chemiekonzern die Erwartungen für 2019 deutlich nach unten korrigieren. Und zwar bereits zum zweiten Mal innerhalb von sieben Monaten. Die BASF erwartet jetzt für das laufende Jahr einen weiteren Einbruch des operativen Gewinns um bis zu 30 Prozent.

Aus Sicht der Konzernspitze haben etwa die Entwicklungen rund um die Weltwirtschaft einen großen Einfluss auf die Situation. Dazu zähle man etwa die anhaltenden Streitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Handelspartnern.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) beobachtet die Situation in Lampertheim. „Allerdings deutet im Moment nichts auf einen größeren Stellenabbau hin“, sagt Jürgen Glaser, Leiter des zuständigen Bezirks Südhessen. Der Gewerkschafter geht allerdings davon aus, dass ursprünglich geplante Stellen am Standort Lampertheim erst einmal nicht geschaffen werden. „Womöglich werden solche Pläne im Zuge des Konzernumbaus neu überdacht und werden nun langsamer in die Tat umgesetzt“, gibt Glaser zu bedenken. Dennoch, eine grundsätzliche Gefahr für den BASF-Standort in Südhessen will er nicht sehen. Auch Kollegen aus dem dortigen Betriebsrat hätten sich ähnlich geäußert.

BASF bietet Abfindungen an

Womöglich gehe der Stellenabbau für Lampertheim also günstig aus, gibt sich Glaser optimistisch. Tatsächlich dürfte die BASF versuchen, den Stellenabbau etwa durch altersbedingte Abgänge zu bewerkstelligen. Wie die Konzernsprecherin am Donnerstag sagte, würden Mitarbeitern des Unternehmens Abfindungen angeboten, wenn sie Aufhebungsvereinbarungen unterschreiben. Mehr als 1100 Mitarbeiter hätten in Ludwigshafen während des ersten Halbjahrs 2019 das Angebot angenommen, sagte die Konzernsprecherin am Donnerstag. Für den Konzernumbau – vor allem den Stellenabbau – hat die BASF eigenen Angaben zufolge 260 Millionen Euro zurückgestellt.

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