Lampertheim

Landwirtschaft Bundesweite Protestaktionen gegen das Agrarpaket / Sechs Traktoren aus Lampertheim und Bürstadt

Bauern kämpfen in Bonn um ihre Felder im Ried

Archivartikel

Lampertheim/Bürstadt.Mit sechs Treckern haben sich Junglandwirte aus Lampertheim und Bürstadt am Dienstag um 2 Uhr auf den Weg nach Bonn gemacht, um an der Protestaktion gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung teilzunehmen. Gegen 9.30 Uhr waren sie vor den Toren der ehemaligen Hauptstadt. Dort wurden sie von der Polizei aufgehalten, die ein Lahmlegen der Innenstadt vermeiden wollte. Die jungen Leute hatten einige Kilometer zu marschieren, um an den zentralen Veranstaltungen auf dem Münsterplatz teilnehmen zu können. Das berichtet uns Willi Billau, der Vorsitzende des Bauernverbands Region Starkenburg aus Lampertheim direkt vom Ort des Geschehens.

Außer den sechs Traktor-Besatzungen waren ein Reisebus mit Landwirten aus dem Ried und dem nördlichen Ried sowie mehrere Privatfahrzeuge aufgebrochen.

Die Proteste richten sich gegen das sogenannte Agrarpaket, die Düngeverordnung, die zollfreie Einfuhr südamerikanischer Landwirtschaftsprodukte und den Insektenschutz. Das Agrarpaket, geschnürt von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und ihrer Kollegin für die Landwirtschaft, Julia Klöckner (CDU), sind diverse Einschränkung der Bauern in Deutschland vor. Hintergrund ist der Klimaschutz.

Für die Bauern in Lampertheim ist etwa das Verbot von Insektiziden in Landschaftsschutzgebieten besonders heikel. Denn wenn sie beispielsweise im Schutzgebiet Biedensand nicht mehr gegen Schädlinge spritzen dürften, seien die Flächen für sie wertlos – und so manche Existenz wäre bedroht, erklärt Verbandschef Willi Billau. Für die Eigentümer der Flächen käme das Insektizid-Verbot außerdem einer Enteignung gleich.

Billau: „Dann zahlt nämlich niemand mehr die vier Euro pro Quadratmeter.“ Das ist der Preis für Ackerland im Ried. Im Raum Darmstadt beträgt er zum Vergleich schon zehn Euro. Heute würden Mittel eingesetzt, die gezielt auf einen Schädling wie den Kartoffelkäfer ausgerichtet seien. „Zielinsekt“ sagt der Fachjargon. Die Kollateralschäden blieben gering und die Mittel würden schnell abgebaut werden, so Billau. „Das ist doch nicht mehr wie vor 20 Jahren, als noch DDT auf die Äcker geschmissen wurde. Das hat sich fast überhaupt nicht abgebaut.

In Lampertheim, rechnet der Bauer vor, wären von dem Insektizid-Verbot auf Schutzflächen 140 Hektar betroffen (1 Hektar = 10 000 Quadratmeter). Auf alle Schutzflächen im Bundesgebiet gezogen kämmen zwei Millionen Hektar heraus. Gemäß der neuen Düngeverordnung müssten Bauern auf bis zu 20 Prozent der Mittel verzichten – eine weitere Erschwernis des Geschäfts, sagt Billau. Dabei sei das Trinkwasser im Ried sehr gut.

„Wir behaupten doch gar nicht, dass die Landwirtschaft keinen Einfluss auf das Klima hat. Wir wollen doch mit an Verbesserungen arbeiten. Aber das doch bitte mit der wissenschaftlich fundierten Suche nach Alternativen. Wir brauchen Zeit. Verbote helfen nicht“, sagt Billau.

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