Lampertheim

Naturschutzgebiet Ausstellung im Info-Punkt zeigt Biedensand-Aufnahmen von Friedrich Hackstein der vergangenen 30 Jahre

Bearbeitete Foto-Unikate ähneln Gemälden

LAMPERTHEIM.Wenn Friedrich „Hacky“ Hackstein seine Wanderstiefel geschnürt und den Fotoapparat geschultert hat, dann verging der Tag wie im Flug. In der Natur des Biedensands hat der Kultkneipier und Künstler die Zeit auf der Suche nach Motiven im Grünen oft vergessen – und so seine Wahlheimat Lampertheim „kennen und lieben gelernt“. Nun hat der „London Pub“-Besitzer seine Privatsammlung geöffnet und einen Teil seiner speziell entwickelten Bilder aus über 30 Jahren Biedensand-Fotografie im Info-Punkt am Fährhaus, Biedensandstraße 58, ausgestellt. Es ist eine Hommage an das Naturschutzgebiet.

Nicht selten habe er beim Wandern im Biedensand die Uhr nicht mehr im Blick, die Verpflichtungen des Alltags völlig vergessen, erzählt Hackstein bei der Vernissage zur Ausstellungseröffnung. Zurück in seinen Pub sei es pünktlich zur Öffnungszeit oft im Laufschritt gegangen. Und das, obwohl er damals nur 36 Fotos pro Ausflug machen konnte. „Einfach drauf losknipsen ging damals ja noch nicht“, erinnert er sich, „man musste schon mit Bedacht sein Motiv suchen und wählen“. Auch in Sachen Filmentwicklung und Bildbearbeitung war damals noch mehr Zeit und Geduld gefragt. „Dabei habe ich immer wieder ganz andere Techniken neu für mich entdeckt“, erzählt Hackstein.

Vielfältig bearbeitet

Die Basis für fast alle Bilder waren Schwarz-Weiß-Fotografien. Die hat der Künstler selbst entwickelt, stundenlang daran experimentiert und nachbearbeitet. In Dunkelkammer und Fotolabor hat er etwa ein Zwischennegativ einbelichtet, Fotos mit braunem Farbschwerpunkt getönt oder einen tiefroten Filter mindestens zehn Minuten angewendet. Ein Infrarot-Schwarz-Weiß-Film hat aus Blattgrün schneeweiß gemacht, Sommeridylle in vermeintliche Winterlandschaften verwandelt. So sind aus den Abzügen Bilder mit Gemäldecharakter und echte Kunstwerke geworden. „Und fast alles Unikate“, betont Hackstein. Es stecke Arbeit und Geduld drin – „das macht man nicht zweimal“, sagt er. Aber er hat es gerne gemacht. „Es war eine schöne Zeit“, erinnert er sich.

Auch in Sachen Motivwahl sind ihm echte Raritäten gelungen. Etwa bei zahlreichen Naturschauspielen wie Hochwasser oder als ein Holz-Nachen mitten im Altrhein lag. „Nach vier Wochen war er wieder verschwunden. Woher er kam oder wohin er ist? Ich weiß es nicht“, berichtet Hackstein. Zur Eröffnung hatte der Künstler auch ein ganz spezielles Bild von 1981 mitgebracht. Es zeigt den Ausblick auf die gegenüberliegende Altrheinseite, der auch vom Info-Punkt aus über den Altrheindamm zu sehen ist. Wie auf so vielen Ablichtungen sieht die Natur heute anders aus. Auch deshalb freuen sich Hackstein und Bürgermeister Gottfried Störmer, der die Ausstellung im Namen der Stadt eröffnete, über die thematisch passenden Bilder mit Ausblick auf den Entstehungsort.

Heute sieht vieles anders aus als auf Hacksteins Bildern. „Das ist der Lauf der Dinge“, sagt der Künstler. Das Naturschutzgebiet findet er auch immer noch „wunderschön“ und „erholsam“. Dort hat der Ruhrpottler seine Verbundenheit zu Lampertheim ganz anders entdeckt. Heute macht Hackstein solche aufwendigen Fotografien nicht mehr. Er wandert aber noch immer gerne über den Biedensand und ist auch weiterhin neuen Techniken aufgeschlossen. So hängen auch einige Handybilder in der Ausstellung.

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