Lampertheim

Kultur EMIL-Kurzfilmnacht befasst sich mit dem Thema Flucht

Beiträge beanspruchen Klaviatur der Emotionen

Archivartikel

Lampertheim.Die erste EMIL-Kurzfilmnacht stand unter dem Motto „Ankommen“ und befasste sich in unterschiedlichen Ansätzen mit Flucht und Migration. EMIL steht dabei für „Einfach miteinander in Lampertheim“.

Außerdem findet sich die Adresse des Rad-Repairshops der Flüchtlingshilfe Lampertheim in der Emilienstraße 3 im Namen wieder. In jenem Geschäft, das die Stadt kostenfrei zur Verfügung stellt, fand dann auch die Filmnacht statt. Die Idee, eine solche Veranstaltung ins Leben zu rufen, hatte der Lampertheimer Frank Hurrle. Für die Moderation des Abends konnte Hurrle, selbst seit Jahren in der Flüchtlingshilfe aktiv, den Journalisten und „Südhessen Morgen“-Redakteur Uwe Rauschelbach gewinnen.

„Wir wollen uns und unsere Arbeit bekannter machen, und hoffen auf diesem Weg einige Bürger zur Mitarbeit zu bewegen“, antwortete Hurrle auf die Frage nach der Motivation, eine solche Filmnacht zu initiieren. Eine große Hilfe war ihm dabei seine Tochter Tanja. Sie studiert an der Filmhochschule Darmstadt und zeichnete selbst für zwei der sieben Beiträge verantwortlich.

Die Filme dauerten zwischen drei und zehn Minuten und boten einen ständigen Wechsel von Perspektiven und Stilmitteln. „Schäufela und Ayran“ versuchte es mit Humor. Zwei hungrige Kanuten kommen in ein Gasthaus, wo sie von Ausländern mit ungewohnten Speisen vorzüglich bewirtet werden. Die Pointe: Das Gasthaus ist seit Jahren geschlossen und dient nun als Asylbewerberheim. Die Flüchtlinge erweisen sich als gastfreundlich und teilen mit den Ankömmlingen, ohne zu hinterfragen oder etwas dafür haben zu wollen. In der nun gelösten Atmosphäre bat Rauschelbach Jörg Lüling zum Gespräch ans Mikrofon. Ebenso in der Flüchtlingshilfe aktiv, beschrieb der Pastor der Baptistengemeinde seine eigenen Erfahrungen mit Asylsuchenden und dem Thema Gastfreundschaft als Gebot der Nächstenliebe.

Publikum uneins

Etwas weniger harmonisch ging es in „Der Mitfahrer“ zu. Ein Pärchen auf der Fahrt von Österreich nach Deutschland überlegt, einen Mann mitzunehmen. Dabei handelt es sich um einen Afrikaner. Was tun? Ihn nicht mitnehmen, weil man als Schlepper und mit Vorstrafe endet oder sich hilfsbereit zeigen? Das Paar gerät in heftigen Streit und auch das Publikum der Filmnacht ist uneins.

Die Klaviatur der Emotionen wurde weiter hart beansprucht. Eine Überfahrt nach Europa im maroden Seelenverkäufer, ein junger Mann, der in der Waffenfabrik seines Vaters arbeitet und sich dann mit einem Flüchtling anfreundet, in dessen zerstörte Heimat die Ware des Vaters geht – harter Tobak, zum Teil untermalt mit Originalaufnahmen aus dem Kriegsgeschehen.

Die Flüchtlinge im Raum schwiegen, die Einheimischen versuchten in den Pausen, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Zum Ende lief der neue EMIL-Imagefilm. Er stammt von Tanja Hurrle und skizziert die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer. „Wofür ein Imagefilm?“, wollte Rauschelbach wissen. „Wir möchten unser Beispiel nach außen tragen, in der Hoffnung, dass er auf den einen oder anderen befruchtend wirkt und wir Nachahmer finden“, antwortete Frank Hurrle, der sich mit der Resonanz des Abends sehr zufrieden zeigte. jkl

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