Lampertheim

Umfrage Schüler der Klasse 8b befragen Rettungskräfte nach ihren Erfahrungen mit körperlicher und verbaler Gewalt im Einsatz

„Beleidigt und bedroht“

Lampertheim.Wer könnte besser von seinen Erfahrungen im Einsatz berichten als die Rettungskräfte selbst? Deshalb sind wir vor die Tür gegangen, haben den Telefonhörer in die Hand genommen und die Menschen gefragt, die auf der Straße täglich ihr eigenes Leben riskieren, um das von anderen zu retten. Wir wollten wissen, ob sie dabei schon einmal „angemacht“ oder attackiert wurden. Einige von ihnen wollten ihren Namen nicht oder nur verkürzt in der Zeitung lesen.

Ingolf B.: Ich wurde schon einmal angegriffen. Meiner Meinung nach werden Leute leicht wegen Zeitstress aggressiv und gewalttätig. Solche Leute sind meist etwas jünger, ungefähr zwischen 18 und 40 Jahre alt. Für solche Situationen wird man nicht ausgebildet, um sich selbst verteidigen zu können. Meist muss man dann mit gewalttätiger Gegenwehr handeln.

Maike B.: Ich wurde noch nicht angegriffen, werde aber für den Fall der Fälle in Form einer Fortbildung betreut. Ich denke, dass solche Gewalttäter meistens der Polizei oder anderen Hilfskräften die Schuld für den Vorfall geben.

Christian R.: Bei mir wurde im Einsatz bis jetzt noch keiner handgreiflich, auch wenn es schon oft kurz davor war. Meiner Meinung nach gibt es keine spezifische Altersgruppe, die besonders gewalttätig werden kann, obwohl die Älteren eher ruhiger sind. Falls ich mich mal in solch einer Situation befinden sollte, würde ich versuchen, die Flucht zu ergreifen.

Jens K.: Ich wurde in meinen 28 Dienstjahren bei der Feuerwehr mehrmals verbal angegriffen, körperlich zwei Mal. Rettungsdienstkräfte werden meiner Erfahrung nach öfter angegangen, weil sie mit Personen in Kontakt geraten, die mit Alkohol, Drogen oder häuslicher Gewalt zu tun haben. Hinzu kommen Unverständnis und Ungeduld für die erforderlichen Einsatzmaßnahmen und deren Folgen – wie zum Beispiel Straßensperren und Staus. Bei den beiden Malen, in denen die Person handgreiflich wurde, lief es so ab: Ein Mann wurde vermisst gemeldet. Die Polizei ordnete an, die Tür zu seiner Wohnung zu öffnen. Der Vermisste befand sich in der Wohnung, war betrunken und wurde schließlich handgreiflich. Beim anderen Mal wurde in einem überfluteten Mehrfamilienhaus ein Keller ausgepumpt. Einen Bewohner – ebenfalls alkoholisiert – hat das gestört. Auch er wurde handgreiflich.

Jonas Braun vom Deutschen Roten Kreuz: Mit mehreren Rettungskräften wurde ich zu einem Einsatz bei einem psychisch Kranken gerufen. Als wir am Einsatzort ankamen, wurden wir von einer Frau begrüßt, die uns zu einem Jungen führte, der vermeintlich bewusstlos im Bett lag. Wir haben aber schnell bemerkt, dass er nicht bewusstlos ist. Wir untersuchten den Patienten auf Verletzungen und rüttelten etwas an ihm, um eine Reaktion zu sehen. Nach einiger Zeit wollten wir ein EKG anlegen, da kam dann der erste Arm geflogen. Daraufhin eskalierte die Situation so weit, dass der Patient uns Rettungskräfte beleidigte und uns weitere Schläge androhte. Nachdem wir einen weiteren Notarzt angefordert hatten, beruhigte sich die Situation etwas. Wir redeten mit dem Patienten, er kooperierte und konnte ohne polizeiliche Hilfe in ein Versorgungszentrum gebracht werden.

Rettungskraft vom DRK, die anonym bleiben will: In der Silvesternacht wurde ich während einer Blaulichtfahrt zu einem Einsatz mit Feuerwerkskörpern beschmissen.

Eine Rettungskraft der Malteser, die ebenfalls anonym bleiben möchte: Wir wurden zu einem Einsatz in einer Wohnung gerufen. Dort wurden ich und meine Kollegen von mehreren Unbekannten mit Gegenständen beworfen. Danach flüchteten wir in unseren Einsatzwagen. Die Angreifer versuchten dann, die Scheiben einzuschlagen und das Rettungsfahrzeug umzuwerfen, als wir wegfuhren.

Pressesprecherin der Malteser: Uns ist ein Fall bekannt, bei dem eine fremde Person einen Rettungswagen mit Graffiti besprühte, während in dem Wagen ein Mensch um sein Leben kämpfte. In einem weiteren Fall stand ein Rettungswagen vor einem anderen Fahrzeug an einer Tankstelle. Als die Rettungskraft gerade wieder in ihr Einsatzauto einsteigen wollte, stieg ein Mann aus dem Auto und bespuckte die Rettungskraft.

Von Lars Dommermuth, Joshua Heinen, Niklas Frech, Jannik Metzger, Mika Back, Mika Willwohl, Yannick Ulpins, Luigi Imperato.

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