Lampertheim

Fußball Trikots von Timo Hildebrand bringen mehrere Hundert Euro für den guten Zweck / Ex-Nationaltorwart schreibt Autogramme / Erinnerungen an unsterblichen Trainer

Benefizspiel erfüllt Ringos letzten Wunsch

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Nun ist sein letztes Spiel gespielt. In Anlehnung an sein Geburtsdatum rollte am Sonntag exakt um 17:08 Uhr ein letztes Mal der Ball im Adam-Günderoth Stadion für Alija „Ringo“ Hercegovac – und der muss im Himmel gelächelt haben. Denn einer seiner letzten Wünsche ist fast zwei Monate nach seinem Tod erfüllt: die Versteigerung zweier Trikots von Ex-Nationaltorwart Timo Hildebrand zugunsten eines guten Zwecks.

Vergessen wird Hercegovac, den alle nur Ringo nannten, in der Spargelstadt aber so schnell nicht. Denn der gebürtige Bosnier hat rund ein halbes Jahrhundert alles für den Lampertheimer Fußball gegeben. Mit seinem unermüdlichen Einsatz bei diversen Vereinen in Lampertheim und der ganzen Region hat er sich als Schiedsrichter – vor allem aber als Torwarttrainer – unsterblich gemacht. Trotz Nieselregens zu Beginn erwiesen ihm fast 300 Besucher beim Benefizspiel die letzte Ehre.

„Ringo“ trainierte sie alle

„Es gibt wohl keinen Torhüter in Lampertheim, den Ringo nicht trainiert hat“, pflegt sein langjähriger Weggefährte Herbert Kern zu sagen. Als Trainer und sportlicher Leiter des FV Hofheim holt er Ringo in den 80er Jahren zum FV. Daneben kümmerte sich der emsige Lampertheimer – teilweise parallel – um die Schlussmänner vom VfB und der Azzurri, weitere Stationen waren der VfR Fehlheim und die Sportfreunde Heppenheim.

Zeitweise habe er „alle Torhüter in Lampertheim trainiert“, lautet die Legende. Woher sein Spitzname Ringo stammt, wurde übrigens nie offiziell aufgeklärt. Auch die Jugendabteilungen von Wormatia Worms und dem 1. FC Kaiserslautern vertrauten dem gebürtigen Bosnier ihre Talente an.

Sein letztes Engagement übte der nimmermüde Ringo, der nach Knieproblemen in Deutschland nie selbst das Tor hütete, bei Olympia Lampertheim aus. Trotz seiner Krankheit habe er dort noch in der Rückrunde auf dem Platz gestanden und die Keeper trainiert. Wohl auch deshalb wussten viele nicht, wie schlecht es um ihn stand. Auch nicht seine allergrößte sportliche Entdeckung. Timo Hildebrand, 2007 Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart und siebenfacher Nationalspieler, verdankt auch Ringo seine Profikarriere.

Unter Hercegovac hütete der Hofheimer in der Jugend das Tor, bis er den Sprung zum VfB schaffte. „Ringo hat mir beigebracht, mich durchzubeißen, mich schwierigen Situationen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen“, sagt Hildebrand heute. Hercegovac sei eine bedeutende Person für sein Leben und sei immer für ihn da gewesen.

Deshalb ist es für den ehemaligen Profi das „Mindeste“, als Gast beim Benefizspiel dabei zu sein. Wegen einer kürzlichen Hüft-OP durfte Hildebrand zwar nicht sportlich mitwirken – den Anstoß mit Witwe Nada Hercegovac ließ er sich aber nicht nehmen.

Weitere Trikots werden versteigert

Einen Tag vorher hatte er noch die Zweitligasaison bei seinem Ex-Verein in Stuttgart mit eröffnet. Während sich auf dem Rasen ein „Team Ringo“, bestehend aus Sohn Alen Hercegovac und Freunden seines Vaters, mit wechselnden Teams der FC Olympia 09, A.S. Azzurri Italia, VfB Lampertheim und FC Waldesruh maßen, gab der Ex-Profi fleißig Autogramme und stand für Selfies bereit.

In der Halbzeit wurden dann – so war es Ringos Wunsch – zwei ganz besondere Trikots zugunsten der „Athletes for Charity“-Stiftung versteigert, die Hildebrand eins seinem Ziehvater geschenkt hatte. Das Torwart-Dress vom Sommermärchen 2006, bei dem Hildebrand dritter Torhüter hinter Jens Lehmann und Oliver Kahn war, fand für 300 Euro einen Abnehmer. Signiert war es mit Unterschriften der damaligen DFB-Auswahl. Hildebrand selbst legte diesen Betrag noch einmal als Spende obendrauf. Ein Trikot aus seiner Zeit bei Schalke 04 ergatterte eine Frau für 130 Euro. Dazu sollen noch ein von Klaus „Schlappi“ Schlappner signierter Ball und weitere Trikots im Internet zugunsten der Stiftung versteigert werden. Einen schöneren Schlussakkord hätte sich wohl auch Ringo nicht wünschen können.

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