Lampertheim

Erntebilanz Hitze, Dürre, Pilze und Insekten machten den Lampertheimer Landwirten in dieser Saison zu schaffen / Deutliche Verluste

„Beregnungsanlage lief am Anschlag“

Archivartikel

Lampertheim.„Wir haben Glück gehabt, weil 100 Prozent der Flächen rund um die Stadt beregnungsfähig sind“, sagt Willi Billau, Lampertheimer Landwirt und Vorsitzender des Regionalbauernverbands Starkenburg, am Ende dieses langen, heißen Sommers. Die Folgen der Dürre, die etliche landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland in ihrer Existenz bedrohen, konnten die Spargelstädter so begrenzen.

Trotzdem seien auch hier „die Erträge nicht optimal“, erklärt Billau. Deutliche Verluste gab es etwa beim Getreide. Die Landwirte verzeichnen 30 Prozent weniger. Denn: Die lukrativen Sonderkulturen – sprich Spargel, Bohnen, Erdbeeren oder Kräuter – wurden vorrangig beregnet, Getreide eher weniger.

Kein Allheilmittel

Die Bauern sprachen sich gegenseitig ab, ließen die Beregnung Tag und Nacht laufen. „Die Anlage war am Anschlag“, berichtet Billau. Damit konnten schlimmere Ausfälle verhindert werden. Die Wasserkosten allerdings schnellten in die Höhe, ebenso die Löhne für die Mitarbeiter, die die Hydranten zu allen Tageszeiten umstecken mussten, um die Pflanzen mit dem künstlichen Niederschlag zu versorgen.

Billau selbst lässt in seinem Betrieb 90 Hektar beregnen und zahlt dafür allein an Wasser 81 000 Euro in dieser Saison. Und doch sei die Beregnung kein Allheilmittel bei einer Witterung wie sie in den vergangenen Wochen vorherrschte, macht der Landwirt deutlich.

Neben dem fehlenden Nass von oben habe auch die hohe Sonneneinstrahlung zu Qualitätsverlusten geführt. „Vor allem bei den Bohnen“, erläutert Billau, die kürzer und krummer seien als in weniger extremen Jahren. In Lampertheim wurde aber auch ein deutliches Minus bei der Erntemenge registriert. „Je nach Standort bei Bohnen sogar 70 Prozent“, betont Billau.

Ein stärkerer Pilzbefall traf insbesondere die Petersilie („Teilweise konnten ganze Felder nicht geerntet werden.“) und Rüben („Auf weniger guten Böden haben wir ein Minus von 30 bis 40 Prozent.“).

Auch überdurchschnittlich viele Insekten konnten an den geschwächten Pflanzen größere Schäden hinterlassen. Die Weiße Fliege habe vor allem Kohlgewächse befallen. Aber auch das Spargelhähnchen und der Kartoffelkäfer seien in großer Zahl unterwegs gewesen. „Heiße Jahre sind eben Insektenjahre“, meint Billau gelassen. Darauf hätten ihn schon die Professoren während seiner Studienzeit hingewiesen.

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