Lampertheim

Gericht Mit der Geste eines Hüttenfelder Fußballers beim TVL-Hallencup 2019 befasst sich nun das Landgericht Darmstadt

Berufung gegen Hitlergruß-Urteil eingelegt

Archivartikel

Lampertheim.Der mutmaßliche Hitlergruß beim TVL-Hallencup 2019 wird die Justiz weiter beschäftigen. „Es ist Berufung eingelegt worden“, teilte der Direktor des Amtsgerichts Lampertheim, Lothar Schwarz, dem „Südhessen Morgen“ auf Nachfrage mit. Das am 4. Februar gefällte Urteil (wir haben berichtet) ist somit nicht rechtskräftig. Das Urteil werde nun schriftlich ausformuliert. Anschließend gehe die Akte ans Landgericht Darmstadt. Dort werde dann weiterverhandelt, teilte Schwarz mit.

Die Kammer in Lampertheim hatte den Angeklagten, einen Fußballer der SG Hüttenfeld, wegen der Verwendung nationalsozialistischer Kennzeichen und wegen Beleidigung schuldig gesprochen. Der heute 27-Jährige wurde zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt. Mit dem Urteil folgte das Gericht der Anklage der Staatsanwaltschaft in beinahe allen Punkten.

Angeklagter streitet Tat ab

Konkret soll der Fußballer bei einem Vorrundenspiel des TVL Hallen-Cups im Januar 2019 ein Tor geschossen, anschließend den Hitlergruß gezeigt und ein Hitlerbärtchen in Richtung der Zuschauertribüne in der Jahnhalle angedeutet haben. Der Angeklagte bestritt die Tat. Er erklärte, er habe mit einer Hand in Richtung eines Freundes gezeigt, der auf der Tribüne saß. Den Zeigefinger der anderen Hand habe er sich vor den Mund gehalten, um seinem Freund verstehen zu geben: „Ich habe ein Tor geschossen, du bist jetzt leise.“ Diese Geste habe sich auf eine Tor-Wette vor dem Spiel bezogen, beteuerte der Angeklagte.

Ein dunkelhäutiger Trainer der Bürstädter Eintracht, der in nächster Nähe auf der Tribüne saß, bezog die gezeigte Geste allerdings auf sich. Im Dezember 2018 hatte der Bürstädter Trainer bei einem Punktspiel der Eintracht-Reserve bei der SG Hüttenfeld seine Mannschaft eigenmächtig vom Feld beordert, weil Hüttenfelder Zuschauer einen dunkelhäutigen Eintracht-Spieler rassistisch beleidigt hatten. Vor Gericht war der Trainer als Zeuge geladen. Er gehörte zu insgesamt sieben Zeugen, die den Angeklagten belasteten.

Keine Entlastung durch Zeugen

Die Kammer sah die Schuld des Angeklagten letztlich als erwiesen an. Die belastenden Aussagen hätten sich „nicht minutiös“ entsprochen und daher nicht abgesprochen gewirkt, erklärte die Richterin in der Urteilsverkündung. Diesen Verdacht hatte die Verteidigung genannt. Über zwei Prozesstage – Verhandlungsbeginn war am 9. Januar – sagten 20 Zeugen aus, darunter die Turnierleitung des TV Lampertheim und ein Schiedsrichter. Sie gaben an, nichts gesehen zu haben. Den Angeklagten entlastete kein Zeuge. Zwei Zeugen, die zunächst für den Angeklagten aussagten, verstrickten sich am ersten Prozesstag in missverständliche Angaben über die gezeigte Jubelgeste.

Als die ermittelnde Oberstaatsanwältin ihnen drohte, für den Fall einer Falschaussage ein Ermittlungsverfahren gegen sie einzuleiten, zogen die beiden Männer ihre Aussagen zurück.

Den Tatbestand der Beleidigung sah das Gericht als erfüllt an, weil es nach der Beweisaufnahme davon ausging, dass sich die Geste – vor dem Hintergrund des abgebrochenen Punktspiels – gegen den Bürstädter Trainer gerichtet hatte. cpa

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