Lampertheim

Sommertour Genossen informieren sich über Lampertheimer Kindertagesstätten / SPD fordert Gründung eines Eigenbetrieb

Betreuungsdruck steigt weiter

Lampertheim.Elterliche Arbeitszeiten verschieben sich, Betreuungsbedarf für Kinder wird immer umfangreicher und individueller. Deswegen ist die Ganztagsbetreuung stark nachgefragt. Dazu kommen neue Baugebiete, steigender Bedarf an Einzelintegration und ein Fachkräftemangel im Erzieherberuf – die Herausforderung für Kommunen, dem gesellschaftlichen Wandel mit mehr Kita- und Krippenplätzen und einem veränderten, weil ganztägigen, Konzept zu begegnen, wird größer. Der Betreuungsdruck steigt. Zwar hat die Stadt Lampertheim, das hat der vor einem Jahr erstellte Bedarfsplan gezeigt, die wachsende Nachfrage mit einem kontinuierlichen Ausbau der Kinderbetreuung vergleichsweise gut abgefangen. Doch langsam wird es auch in der Spargelstadt eng.

Die SPD will den Ausbau weiter forcieren – und hat die generellen Strukturen im Fachbereich Soziales innerhalb der Stadtverwaltung im Blick. Nicht zuletzt deshalb, weil Lampertheim Zuzugs- und Wachstumskommune bleiben möchte. „Es hat sich in der letzten Wahlperiode eine Menge bewegt“, betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende Marius Schmidt bei der vierten Etappe der Sommertour seiner Partei.

Vor der Kindertagesstätte (Kita) Guldenweg, die zurzeit für rund 360 000 Euro – 250 000 Euro kommen als Fördermittel vom Land – ganztagstauglich ausgebaut wird, fanden sich rund 30 Sozialdemokraten ein. Im Falle der über 40 Jahre alten Kita Guldenweg bedeutet ganztagstauglich ganz simple Dinge. „Viele Einrichtungen sind aus den 1970er Jahren“, erklärte der Erste Stadtrat und zuständige Dezernent Jens Klingler. „Mittagessen war damals noch überhaupt kein Thema. Es fehlt oftmals schlicht an den räumlichen Voraussetzungen dafür“, schilderte er seinen Parteigenossen die Situation.

Alte Kita wird ganztagstauglich

Mit dem neuen Anbau, der wegen des großen Vorplatzes relativ einfach umgesetzt werden konnte, wäre die Einrichtung die „erste alte Kita“ in der Kernstadt, die dann ganztagstauglich nach heutigen Maßstäben ist. Ein ähnliches Vorhaben plant die Verwaltung bei der Einrichtung im Europaring. Das dafür vorgesehene Landesförderprogramm ist laut Jens Klingler aber schon dreifach überzeichnet, auf eine entsprechende Förderzusage wartet der Kämmerer noch. „Hier muss das Land nachrüsten“, so seine Forderung.

Den Wandel allein in jüngster Vergangenheit machte Klingler mit einigen Zahlen anschaulich. „Im Juli 2015 haben wir 959 Kinder betreut. Fünf Jahre später sind es 1277“, berichtete der Stadtrat. Diese Anzahl entspricht mehr als zwei vollen, fünfzügigen Einrichtungen. Etwa durch Zuzug weiche die Zahl der zu betreuenden Kinder um 40 von der geplanten Größe ab. Daneben steigt auch der Bedarf an Einzelintegration durch eine Behinderung, Verhaltensauffälligkeit oder Sprachprobleme. „Dafür müssen wir 80 Plätze aus dem System nehmen“, erklärte Klingler. Weil Lampertheim mit dem Baugebiet Gleisdreieck weiter wachsen möchte, wird sich der Druck noch vergrößern. Die erst Ende 2018 eröffnete Einrichtung des Familienzentrum Bensheim ist bereits fast voll, obwohl dort noch kein neu gebautes Haus steht. Auch in Hofheim wurde kürzlich saniert, die kirchliche Einrichtung in Hüttenfeld wird ebenfalls vergrößert.

Eine zusätzliche neue Kita und Krippe sind bereits in Planung. Als möglicher Träger habe bereits die Arbeiterwohlfahrt Interesse bekundet. Für die Stadt besonders interessant: Die AWO könnte nicht nur als Träger, sondern auch, wie bereits in Bensheim, als Bauherr auftreten. Geschäftsführer Sebastian Parker stellte deren Konzept vor. Die sechsgruppige Einrichtung in Bensheim hält etwa Plätze für benachbarte Firmen vor. Ein Ansatz, den sich Marius Schmidt bei einem möglichen Standort in der Wormser Landstraße auch vorstellen könnte. „Das würde den Standort Lampertheim attraktiver machen“, sagte er.

Pädagogische Leitung

Die Genossen wollen in den kommenden Jahren nicht nur quantitativ ausbauen, sondern auch konzeptionelle Veränderungen vorantreiben. Auf Anregung von Jens Klingler will man den Fachbereich Soziales, die größte Abteilung der Stadt, umstrukturieren. Betreuungseinrichtungen sollen in einem Eigenbetrieb mit eigener pädagogischer Leitung herausgelöst werden. Die Kitas selbst sollen immer mehr zu Familienzentren ausgebaut werden. Bei all dem ist den Genossen aber eins wichtig: „Betreuung muss bezahlbar bleiben“, forderte Schmidt. Die Gebühren will er deshalb stabil halten.

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