Lampertheim

Howwemer Kerb Kerbevadder Robin Vollhardt schwingt bei YouTube seine Redd / Pfarrer Mett spricht über „Zeichen der Hoffnung“

„Dahoam trinke, lache, singe“

Hofheim.Zwar machte Corona den Hofheimern die Ausrichtung der Howwemer Kerb im üblichen Veranstaltungsformat zunichte. Doch so ganz fielen die höchsten Hofheimer Feiertage bei strahlendem Wetter dann doch nicht ins Wasser.

Bereits im Vorfeld ließ die Stadt ihre Gebäude beflaggen und auch viele Hofheimer folgten dem Aufruf des Vereins Kerbeborsch und -mädels, Fahnen an oder vor ihren Häusern zu hissen. Ganz im Stillen wurde die Kerbe ausgegraben. Beachtlich, dass der Kerbeborschverein wieder eine Kerbezeitung präsentierte und das 60-seitige Werk an alle Hofheimer Haushalte verteilte. Den heimlichen Höhepunkt einer jeden Kerbe, die Kerberedd gibt es von Kerbevadder Robin Vollhardt seit dem späten Samstagnachmittag online auf YouTube unter „Howwemer Kerb 2020“. Den musikalischen Rahmen dazu lieferte wie gewohnt der evangelische Posaunenchor.

„Zur Kerb 2020 grieß ich die Howwemer Leit, die dahoam vor ihre Bildschirme hocke heit“ stellte Vollhardt gleich zu Beginn „des scheiß Virus“ in den Mittelpunkt und forderte auf, „die Kerb subba dahoam zu verbringe, man muss bloß viel trinke, lache und singe“. Den Masken gewann der Kerbevadder auch etwas Gutes ab: „Bei monche Leit is es gut, dass ich net sehe muss dene ihre Visage.“ Dass nicht alles Leben stillsteht und manche das Beste daraus machen, skizzierte der Kerbevadder am Posaunenchor, der mit Abstand auf der Wiese hinter der Kirche probt. „Sogar die Medie sinn deswege nach Howwe gekomme, ne Reporterin vun FFH hot de Posaunechor fers Radio uffgenomme.“

Nachdem auch die ersten Kneipen wieder geöffnet haben, „tut’s gut wieder unner Leit zu gehe, Bekannte und Freunde wieder zu sehe“. Vollhardt griff einige Geschichten der vergangenen Wochen und Monate auf, so auch „vun de Sparkass’ in Howwe, die is seit em Friehjoahr geschlosse“. „Do werd gespart wo mer konn, dass ma des mol klarstellt, dene geht’s net um uns Kunde, sondern nur ums Geld“, sprach Vollhardt vielen aus der Seele. Mit einem Genießer-Markt bot „de Back“ Corona die Stirn, „bloß, un des tut mer schun e bissl weh, zum Woistand musst ma leider sage ade“, erkannte der Kerbevadder auch hier einen Wermutstropfen. Als „hässliche Seite vun Howwe“ machte Vollhardt den Bahnhof aus: „Der is so hässlich, muss mer sage, dass er fer en Lombarder noch schee wär, ohne Frage“, durfte eine leichte Spitze in Richtung Kernstadt nicht fehlen. Auch Randale im Knudi waren Vollhardt nicht entgangen, „da hot awwer oaner, unn des is werklich so, im Knudi kaputtgemacht des Fraueklo“.

Zusammen ist’s zu schaffen

Der große Dank des Kerbevadders galt neben dem Posaunenchor, der Feuerwehr, dem Arbeitskreis, den Kerbeborsch und vor allem „de Howwemer Leit zu Haus’, dass sie die Kerb feiern dahoam unn net gehn aus ’em Haus“. Vollhardts Rede machte Mut, „wenn mer all zusamme anpacke, könne mer’s durch die Krise schaffe, denn dann werd’s hoffentlich nägscht Joahr im September, die allerbeschte Kerb ever, ever“.

Bestens besucht war der von den beiden Pfarrern Adam Malczyk und Holger Mett gestaltete ökumenische Gottesdienst bei herrlichen äußeren Bedingungen auf dem Platz vor der Balthasar-Neumann-Kirche, den ebenfalls der Posaunenchor musikalisch umrahmte. Dabei präsentierten die Musiker beim Einzug zu den Klängen des Kerbemarschs „Alamo“ erstmals ihre neuen Westen. Den so liebgewonnenen Brauch des Gottesdienstes unter freiem Himmel ließen sich viele Hofheimer nicht nehmen. Schließlich gelang es, durch ein entsprechendes Hygienekonzept die Fläche zu nutzen und ausreichend Abstand zu halten. Ganz auf die Einschränkungen durch Corona war auch die Predigt von Pfarrer Holger Mett abgestimmt. „Wie gut, dass es in dieser Zeit auch die ermutigenden und sanften Töne gibt“, sagte Mett und erinnerte wie die Kirchengemeinden zum gemeinsamen Gebet aufriefen, ermutigende Klänge des Posaunenchores zu hören waren oder es „Weihwasser to go“ gab. „Viele Zeichen der Hoffnung wurden sichtbar“, so Mett, der ein erhöhtes Maß an Solidarität und Nächstenliebe ausmachte: „Obwohl wir Abstand halten mussten, sind wir uns nähergekommen.“ fh

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