Lampertheim

Interview Bürgermeister erleichtert über Wiederwahl im ersten Anlauf / Dank an Herausforderer / Dritte Amtszeit ausgeschlossen

„Das Ergebnis lasse; ich mir nicht kleinreden“

Archivartikel

Lampertheim.Die Strapazen des Wahlkampfs und die Spannung des Wahlabends sind Gottfried Störmer am Tag nach seiner Wiederwahl nicht anzumerken. Im Interview mit dem „Südhessen Morgen“ gibt sich der Bürgermeister ganz entspannt. Die knappe absolute Mehrheit, die er am Sonntag erzielt hat, bezeichnet er dabei als „gutes Ergebnis“. Gleichwohl reflektiert er seinen Führungsstil und gibt zu, seinen Herausforderer im Kampf um das Amt als Verwaltungschef, Marco Steffan, nicht derart stark eingeschätzt zu haben.

Herr Störmer, herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl. Wann und wie haben Sie nach diesem Wahlkrimi geschlafen?

Störmer: Ich habe gut geschlafen. Nach Mitternacht war ich dann auch rechtschaffen müde (lacht).

Sie wirkten am Wahlabend erstaunlich gelassen. Denn es ging nicht nur für Lampertheim, sondern auch für Sie persönlich um viel. Waren Sie wirklich so cool oder täuschte der Eindruck?

Störmer: In meinem früheren Beruf als leitender Kriminaldirektor habe ich mir angeeignet, Ruhe zu bewahren. Das müssen Sie auch, wenn Sie es beispielsweise mit einem Fall von Erpressung zu tun haben oder Leichen in ihrem Blut liegen sehen. Ruhe zu bewahren dient der Sache mehr. Emotionalität ist kein guter Ratgeber. Ich freue mich zwar über Erfolge, bin aber im Fall einer negativen Erfahrung nicht am Boden zerstört.

Schmerzt es Sie nicht, dass fast die Hälfte der Wähler nicht Sie, sondern lieber Marco Steffan als Bürgermeister hätte – einen Mann, der bislang weder Erfahrungen in der Politik noch in der Verwaltung hat?

Störmer: Nein. 50, 6 Prozent sind bei drei Kandidaten ein gutes Ergebnis. Das lasse ich mir auch nicht kleinreden. Mir war vom Prinzip her klar, dass Marco Steffan eine hohe Mobilisierung gerade bei den jungen Menschen erzielen würde. Das zeichnete sich in den sozialen Medien ab. Nur in dem Ausmaß hätte ich es nicht geglaubt. Ich bin aber dankbar, dass er sich zur Wahl gestellt hat. Die hohe Wahlbeteiligung ist daher auch sein Verdienst. Die Menschen hatten die Wahl zwischen drei sehr unterschiedlichen Kandidaten. Das ist gut. Im Übrigen: Als ich vor sechs Jahren zum ersten Mal antrat, hatte ich auch keine politische Erfahrung, zwar in der Verwaltung, aber Polizeiverwaltung. Und das ist etwas ganz anderes. Ich bin Demokrat durch und durch und hätte auch eine Entscheidung für Steffan klaglos hingenommen – der Wähler entscheidet.

Wie froh sind Sie dennoch, nicht in eine Stichwahl zu müssen?

Störmer: Sehr froh, denn das war mein Ziel. Zum einen, weil es für die Verwaltung einen riesigen Aufwand bedeutet hätte, noch einmal eine Wahl auf die Beine zu stellen. Zum anderen hätte eine Stichwahl natürlich auch mich persönlich Zeit und Kraft gekostet.

Auch Geld?

Störmer: Ja. Der Wahlkampf hat mich, wie schon beim ersten Mal vor sechs Jahren, rund 17 000 Euro gekostet. Durch meine Parteilosigkeit zahle ich das privat. Auch wenn das manche nicht glauben: Meine Frau und ich haben auch die Plakate selbst aufgehängt.

Letztlich war der Ausgang der Wahl knapper als es viele vorher erwartet haben. Werden Sie das Ergebnis zum Anlass nehmen, etwas an Ihrem politischen Stil zu ändern – Stichwort „ruhige Hand“?

Störmer: Diesen Wesenszug kann ich nicht komplett ändern. Aber an der einen oder anderen Stelle werde ich den Weg der ruhigen Hand künftig sicherlich verlassen.

An welcher Stelle?

Störmer: Zum Beispiel beim Stadtumbau. Wir müssen uns überlegen: Wie entwickeln wir den Bereich Domgasse/Emilienstraße? Da möchte ich nicht immer nur Gespräche führen, was sein könnte, sondern handfeste Dinge schaffen. Bis zum Ende meiner zweiten Amtszeit möchte ich erleben, dass wir den ersten Bau im Unterdorf erledigt und etwas zum Anfassen haben. Aber Planung liegt nun mal in der Natur der Sache und vor dem Umsetzen. Zusätzlich verkennen viele, dass ich lediglich Chef der Verwaltung bin. Die glauben, der Bürgermeister sagt, was gemacht wird und dann wird das auch getan. Das ist nicht richtig: Denn die Politik und die Bürgerschaft müssen mitgehen.

Können Sie sich auch eine dritte Amtszeit vorstellen?

Störmer: Nein, ich möchte meine zweite bis zum Ende ausfüllen, wenn es die Gesundheit zulässt. Nach 45 Dienstjahren werde ich dann in den Ruhestand gehen.

Bitte noch einen Satz zu Ihren beiden Kontrahenten.

Störmer: Ich schätze Herrn Steffan für seine Zielstrebigkeit und habe hohe Achtung für seine Charity-Aktivitäten. Herrn Pfeiffers Hartnäckigkeit, seine Ideen zu platzieren und umsetzen zu wollen, finde ich bewundernswert.

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