Lampertheim

Lampertheim Der Imker Markus Reitz ging früher mit seinem Großvater zu dessen Bienenstöcken – heute erntet er selbst „Lampertheimer Honig“

Das flüssige Gold des Imkers Markus Reitz

Lampertheim.“Früh übt sich, wer ein guter Imker werden möchte“, sagt der Lampertheimer Markus Reitz. Er wusste schon in Kindheitstagen viel über Honigbienen und fand die Imkerei spannend. Die Völker von Markus Reitz sind an unterschiedlichen Standorten aufgestellt, jedoch ausschließlich im Stadtgebiet Lampertheim. Deshalb gab er seinem Honig den Markennamen „Lampertheimer Stadthonig“.

Unter diesem Namen ist der Honig in Geschäften und per Haustürverkauf erhältlich. Neben dem Lampertheimer Stadthonig, den es in diesem Jahr in drei Sorten gibt, bietet Markus Reitz auch Leckereien an.

Sein Interesse an den fleißigen Tierchen wurde vor über 25 Jahren geweckt. Er erfuhr von seinem imkernden Großvater, dass die Bienen nicht nur Honig produzieren, sondern auch wichtig für die Bestäubung der Obst- und Gemüsepflanzen sind. Schon sein Großvater nahm ihn regelmäßig mit zu den Bienenvölkern, die er hautnah erleben konnte, erinnert er sich. Die Bienenstöcke standen auf dem eigenen Grundstück in einem Häuschen.

Keine Angst vor Bienen

Berührungsängste hatte Markus Reitz nicht, schließlich wurde ihm erklärt, dass Bienen nur stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. „Ich konnte schon als kleiner Bub, wann immer ich wollte ins Bienenhaus und den Bienen zusehen“, verrät Reitz. Später imkerte er selbst. Nach einer Bienenpause ist er seit 2017 wieder aktiv und führt seine beiden Kinder Greta und Emil an die Arbeiten eines Imkers heran, um ihnen so ein Stück Natur näher zu bringen. „Besondere Freude bringt die Honigernte“, bekräftigt der Lampertheimer. „Ein Honigbienenvolk ist ein sehr soziales Gefüge. Es gibt eine Königin, die ihr Volk zusammenhält und mit bis zu 2000 gelegten Eiern am Tag für reichlich Nachwuchs sorgt. Sie lebt maximal fünf Jahre, im Gegensatz zu ihren weiblichen Nachkommen, die mit rund 35 Tagen einen eher kurzen Lebenszyklus haben und selbst keine Eier legen können“, erklärt Reitz.

Betrachte man ein Bienenvolk genauer, stelle man schnell fest, dass dies ein Wunder der Natur ist. „Eine Biene entwickelt sich in einer Wabenzelle in nur 21 Tagen vom Ei zur fertigen Honigbiene. Dann startet sie in ihr kurzes, sehr arbeitsreiches Leben“, so der Imker.

Kurzes und arbeitsreiches Leben

„Die Aufgaben einer Biene während ihrer Lebenszeit sind innerhalb eines Volkes genauestens vorgegeben“, sagt er. Nach dem Schlüpfen säubern die noch sehr kleinen Bienen die Wabenzellen, einige Tage später sind sie für die Brutpflege und den Bau neuer Waben zuständig.

Erst vom 16. Lebenstag verlassen die Tiere den heimischen Stock. Zuerst zur Bewachung des Bienenstocks und später, ab dem 20 Tag, um Nektar, Pollen und Wasser zu sammeln. Zu einem gesunden Volk gehören auch männliche Bienen, jedoch nur solange, bis das Nahrungsangebot im Spätsommer knapp wird. Dann werden diese des Bienenstocks verwiesen. Die Drohnen werden innerhalb eines Volkes im Wesentlichen zur Befruchtung der Königin benötigt. „Den Honig, den die Bienen von Frühjahr bis Sommer gesammelt haben, nutzen sie als Wintervorrat“, sagt Reitz. Er entnehme als Imker nur so viel Honig, wie sie entbehren können. Als Ausgleich füttere er seine Völker dann mit einer speziellen Zuckerlösung als Ersatz.

„Der Standort der Bienenvölker und das Angebot der Natur bestimmen die Honigsorte und die Erntemenge“, erklärt der Bienenhalter. Kein Jahr sei wie das andere. Reitz ist sich sicher, dass es im kommenden Jahr neue und andere Herausforderungen geben wird.

Imker Reitz will mit seiner Arbeit auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten und appelliert: „Umwelt- und Naturschutz gehen uns alle etwas an“. Gerade Bienen, sowohl Honig- als auch die heimischen Wildbienen sind es, die der Mensch benötigt, um mit Obst und Gemüse versorgt zu werden. „Wer im Kleinen etwas für den Schutz der Insektenwelt, insbesondere aller Bienen, tun möchte, sollte etwa bienenfreundliche Pflanzen säen und geeignete Insektenhotels aufstellen.

Mehr als Hype

Dies ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, um den Lebensraum der Insekten zu erhalten“, betont Reitz. Ein Aufstellen von Bienenvölkern, aufgrund eines angenommenen Hypes, ohne vorherige Kenntnisse sieht der Hobbyimker kritisch.

Wer in das faszinierende Gebiet, der Imkerei einsteigen möchte, dem empfiehlt Reitz, sich vorher sehr genau mit den Voraussetzungen zu beschäftigen sowie Kurse und Schulungen über Bienenhaltung zu besuchen. Er selbst bietet neben generellen Informationen über das Imkern auch Bienenpatenschaften an. So gibt er seine Erfahrungen weiter und begleitet Interessierte und Jungimker ein Jahr lang. Erst dann übergibt er die Tiere in geschulte und sichere Hände. „Auch Schulklassen und Kindergartengruppen habe ich bereits besucht.

Es ist toll, mit wie viel Begeisterung schon die Kleinsten zuhören und mitmachen, um möglichst viel über das kleine Nutztier zu erfahren. Der Höhepunkt ist die Honigverkostung, denn viele Kinder kennen den süßen Geschmack gar nicht“, schwärmt Reitz. Es besteht die Möglichkeit, dass Schulklassen oder Kindergartengruppen eine Bienenpatenschaft zu übernehmen und ein Volk ein Jahr lang zu begleiten.

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