Lampertheim

Entschlammung Eine weitere Verbindung des Seitenarms mit dem Rhein ist umstritten / Bürgermeister Gottfried Störmer möchte die Möglichkeit wenigstens prüfen lassen

Der Altrhein braucht mehr Bewegung

Archivartikel

Lampertheim.Der Altrhein verlandet immer stärker. Die Pegelstände fallen und die Wassertiefe nimmt wegen der Massen von Schlamm ohnehin immer mehr ab. Die Folge sind Algenbildung, massive Sauerstoffdefizite, hohe ph-Werte und die fehlende Temperatur-Schichtung im Wasser. Das ist problematisch für Wassersportler und hat vor allem für Fauna und Flora dramatische Folgen. Viele Lampertheimer erinnern sich noch an tausende tote Fische, die im vergangenen Spätsommer im Altrhein eingesammelt werden mussten.

Mit dem Vermerk im Bundeshaushalt hat Lampertheim zwar ein wichtiges „Etappenziel“ auf dem Weg zur Entschlammung genommen (wir haben berichtet). Doch eine Ausbaggerung ist damit noch lange nicht sicher.

Gewässer benötigt Frischwasser

Und selbst wenn am Ende des Prozesses, dessen Dauer Bürgermeister Gottfried Störmer mit mindestens ein oder zwei Jahre einschätzt, eine Ausbaggerung steht: Das Problem der Verlandung könnte sich durch abrutschende Sedimente schnell wiederholen – dann mit unbezahlbaren Kosten für die Stadt als Eigentümerin. Der Rathauschef hatte deshalb die Prüfung einer dauerhaften Durchströmung des Altrheins angeregt.

„Eine schnell wiederkehrende Verschlammung ist nur mit Bewegung im Wasser zu verhindern“, sagt er. Die Idee eines Art Durchstichs komme ursprünglich von Reinhard Klingen, ehemaliger Leiter „Wasserstraßen und Schifffahrt“ im Bundesverkehrsministerium. Die Idee beinhaltet eine Anbindung des stehenden Heegwassers im Naturschutzgebiet an den Altrhein.

Der ist als Seitenarm des Hauptstroms bisher eine Sackgasse. „Die Lage ist sehr komplex“, betont Lampertheims Bürgermeister. Und ein „einfacher Durchstich“ ohnehin nicht möglich, wie Ornithologe und Naturschutzwart Peter Petermann auf Nachfrage ergänzt. Etwa den Unterbau der Brücke, also die Abgrenzung von Altrhein und Heegwasser, zu entfernen, „würde alle Gewässer im Naturschutzgebiet trocken legen“, so Petermann.

Frischwasser gelangt bisher nur über sogenannte Schluten aus dem Hauptstrom in die verschiedenen Gewässer. Das sollte für mehr Bewegung sorgen und den Altrhein mit mehr Nährstoffen versorgen. Dass das 2015 vom Regierungspräsidium umgesetzte Projekt kaum positive Auswirkungen hat, darin sind sich der Bürgermeister und die Naturschützer einig.

Noch immer fehlt Wasser im Altrhein. Es fließt nur bei Pegelständen deutlich über dem Mittelwasser in den Seitenarm des Flusses. Von den erhofften 180 Tagen im Jahr mit höheren Pegelständen sei man weit entfernt.

Es dürften nicht einmal 100 sein, heißt es. Peter Petermann glaubt sogar, die Schluten könnten etwa mit Sedimenteinträgen bei Hochwasser einen negativen Effekt haben. „Ein Fischsterben gab es vorher jedenfalls nicht“, so der Experte. Er hält aber auch eine dauerhafte Durchströmung, wie vom Bürgermeister angeregt, für „unmöglich“.

Begehrtes Rheinwasser

„Mehr Wasser kann man dem Rhein nicht abzapfen“, sagt Petermann im Gespräch. Gegen das Veto der Schifffahrt, die selbst mit niedrigen Pegelständen auf dem Rhein zu kämpfen habe, sei man machtlos. Besser sei es, den Wasserstand im Heegwasser wieder auf die Höhe zu bringen, die vor Einführung der Schluten bestand. Statt Grundwasser an den Rhein abzuführen, solle man das lieber im Naturschutzgebiet halten. Bürgermeister Gottfried Störmer und einige Vertreter des Projektbeirats Entschlammung Lampertheimer Altrhein (PELA) wollen die Möglichkeit einer dauerhaften Durchströmung dennoch prüfen lassen.

Die Verschlammung des Althreins ist seit Jahren Dauerthema in Lampertheim und in der Region. So setzt sich beispielsweise der Projektbeirat intensiv mit dem Thema auseinander. In dem Gremium arbeiten Vertreter der politischen Parteien und Mitglieder von Initiativen wie Nabu oder die Initiative „Rettet den Lampertheimer Altrhein“ zusammen. Außerdem beteiligen sich auch Anglervereine, Wassersportvereine, die Arbeitsgemeinschaft Lampertheimer Altrhein (ALA) und die Agenda 21. Auch ein Vertreter der Stadt ist im Beirat.

Der Projektbeirat setzt sich für die Entschlammung des Altrheins zwischen Kilometer 2,6 bis 4,75 ein und strebt hiermit eine nachhaltige Sicherung der Freizeit- und Lebensqualität an. Daneben engagieren sich noch weitere Akteure und Initiativen für den Altrhein.

Aus Sicht von Bürgermeister Störmer könnte ein „Durchstich“ für Umwelt und Mensch zahlreiche Vorteile bieten und ein weiteres Fischsterben vermeiden. Auch die Wasservögel könnten und die Auenlandschaft generell würden profitieren. „Noch gibt es keine technischen Ausarbeitungen. Es prüfen zu lassen, ist es allemal wert“, findet Störmer.

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