Lampertheim

Natur Projektbeirat zur Entschlammung des Flussarms am Biedensand richtet Ausstellung im Schiller-Café aus

Der Lampertheimer Altrhein und seine Geschichte

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Der Lampertheimer Altrhein hat eine bewegte Geschichte. Einst war es der reißende Hauptstrom, mal war der Biedensand als Insel komplett von Wasser umgeben, mal sind ganze Flussarme vertrocknet, verlandet und aus den Erinnerungen verschwunden. Auf diese Gefahr macht nun eine Ausstellung im Schiller-Café aufmerksam. Der Projektbeirat zur Entschlammung des Lampertheimer Altrheins (Pela) hat die Geschichte der Flussarme vom 16. Jahrhundert bis heute aufgearbeitet – die Schau soll insbesondere vor den verheerenden Auswirkungen einer Verlandung warnen. Denn obwohl das Gewässer heute nur noch ein „Alt“-rhein sei, habe es dennoch große Bedeutung für Stadt und Natur.

Die Darstellungen reichen bis ins Jahr 1679 zurück. Auf einer historischen Karte ist der Biedensand von Wasser umgeben, ein Altrheinarm verläuft sogar noch über Boxheim. Hauptsächlich aber beschäftigt sich die Ausstellung mit den negativen Auswirkungen einer Austrocknung für Mensch und Umwelt. Aber auch mit den Auswirkungen für Erholungssuchende und Sportler.

„Eine Verlandung hätte für das gesamte Naturschutzgebiet und seine Flora und Fauna verheerende Konsequenzen. Tier- und Pflanzenwelt würden sich stark verändern und teilweise verschwinden“, so Bürgermeister Gottfried Störmer. Schon in früheren Jahren, so heißt es auf den Folien, seien viele Tier- und Pflanzenarten verschwunden. Gleichzeitig hob Störmer die Bedeutung des Gewässers als Sportstätte für Vereine hervor.

Die Ausstellung konnten Bürger schon vor rund fünf Monaten begutachten. Damals hatten der Pela und das Stadtmarketing die Ausstellung im Info-Punkt mit Blick auf das Gewässer eröffnet. Allerdings sind die Brückenräume zwischen Fährhaus und GDC-Gebäude nicht für alle erreichbar. „Der Info-Punkt ist nur über zahlreiche Treppen zugänglich, dadurch werden viele Menschen ausgeschlossen“, erklärte Jochen Halbauer vom Behinderten-Beirat. Auf dessen Bitte hat die Stadt die Ausstellung nun ein zweites Mal im Herzen der Stadt eröffnet. Ergänzt wurde die Ausstellung nach dem Aktionstag „Lebendiger Altrhein“ um einige Folien der „Agenda 21“-Gruppe.

Als Sprecher der Pela erklärte Karl Heinz Barchfeld, die Politik in Wiesbaden und Berlin sei nun immerhin bereit, „dass sie mit uns spricht“. Seine Prognose: „Der Bund wird sich irgendwann zurückziehen und sagen: Ihr kriegt den Altrhein, nun seht zu, wie ihr einig werdet“. Der Knackpunkt sei die Eigentumsfrage in den kommenden zwei bis drei Jahren. Ein Feld mit vielen Minen – da müsse die Stadt aufpassen, „am Ende nicht der Dumme“ zu sein.

Auch Bürgermeister Störmer betonte, es sei „viel im Gange“, etwa Gespräche mit hessischen Ministern. „Letztendlich“, untermauerte aber auch er, „ist es eine Frage des Geldes.“ ksm

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