Lampertheim

Gesundheitspolitik In Lampertheim erhält Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Rückenwind für seine geplante Masern-Impflicht

„Der Schrecken dieser Krankheiten ist vergessen“

Archivartikel

Lampertheim.Auf große Zustimmung in Lampertheim stoßen die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Impfung gegen Masern verpflichtend zu machen. „Wir unterstützen das zu einhundert Prozent“, betont etwa Walter Seelinger, Vorsitzender des Gesundheitsnetzes der Ärzteschaft Lampertheim (GALA).

„Die Meinung vereinzelter Impfgegner steht dem Wohl der Mehrheit gegenüber“, wird der Facharzt für Allgemeinmedizin im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen“ deutlich. Skeptiker mit verstärkten Impfkampagnen überzeugen zu wollen, hält er für zwecklos. „Aufklärung gibt es genug“, sagt Seelinger.

„Gemeinwohl im Vordergrund“

Das Problem sei vielmehr, dass „der Schrecken der Krankheiten, gegen die man heute impfen kann, weitgehend vergessen ist.“ Das gelte nicht nur für Masern. Auch an der ansteckenden Diphtherie beispielsweise seien „Kinder früher wie die Fliegen gestorben“, formuliert der Mediziner drastisch. Die Infektionskrankheit Tetanus (Wundstarrkrampf) führe ebenfalls „zu einem qualvollen Tod“. „Wer so etwas einmal gesehen hat, kann Impfgegner nicht verstehen“, erklärt der Lampertheimer Arzt.

Bernd Ranko, Leiter des städtischen Fachbereichs Familie und Soziales, befürwortet eine Impfpflicht gleichermaßen: „Das Gemeinwohl steht im Vordergrund“, betont er. Der 58-Jährige kann sich erinnern, dass er als Kind in der Schule selbst verpflichtende Impfungen erhalten hat – damals gegen Pocken und Tuberkulose. „Solche Ideen sind also nicht neu“, erklärt Ranko.

Auch die von Spahn angedachten Sanktionen bei Verstößen gegen die Masern-Impfpflicht in Kindertagesstätten und Schulen (etwa Geldbußen von bis zu 2500 Euro) hält der Fachbereichsleiter, in dessen Zuständigkeit auch die Trägerschaft der städtischen Kitas fällt, für „folgerichtig“: „Sonst lässt sich das nicht durchsetzen.“

Das Verweigern der Aufnahme von nicht geimpften Kindern in Kindergärten gehört ebenfalls zu den angestrebten Maßnahmen von Spahn. Und auch das hält Ranko für richtig. „Ansätze dafür haben wir bereits“, erläutert er.

Bescheinigung gefordert

So müssen Eltern in Lampertheim schon jetzt mit der Anmeldung eine Impfbescheinigung abgeben, wenn ihr Nachwuchs in eine kommunale Kindertagesstätte gehen soll. Auf der muss ein Arzt vermerkt haben, gegen welche Krankheiten ein Kind geimpft ist beziehungsweise in welchen Fällen eine Impfung fehlt oder unvollständig ist.

„Der weit überwiegende Teil“ der Mädchen und Jungen in den Spargelstädter Einrichtungen sei geimpft, so Ranko. Doch es gebe auch in Lampertheim Ausnahmen. Tritt eine entsprechende Infektionskrankheit in der Kita auf, müsste ein solches Kind zu Hause bleiben – „zum Schutz für sich selbst und andere“.

Derartige Regelungen stoßen in Reihen der Lampertheimer Elternschaft auf Verständnis. Er könne nicht verstehen, wenn Mütter und Väter ihre Sprösslinge nicht impfen ließen, erklärt beispielsweise Marten Schubert, Vorsitzender des Elternbeirats an der Goetheschule. „Wenn das zu viele machen, funktioniert die Herdenimmunität nicht mehr. Das ist eine unsoziale Angelegenheit“, findet der dreifache Vater klare Worte. Er selbst bezeichnet sich als Befürworter der klassischen Schulmedizin.

Schubert ist davon überzeugt, dass beim Impfen der Nutzen gegenüber dem Risiko deutlich überwiegt. Und er steht auch Sanktionen positiv gegenüber: „Die Entscheidung für eine Masern-Impfung betrifft schließlich nicht nur die eigenen Kinder“, betont der Lampertheimer, „sondern eine ganze Gemeinschaft“.

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