Lampertheim

Caritas-Tagesstätte Seit 20 Jahren finden psychisch kranke Menschen in der Lampertheimer Einrichtung Ausgleich und Stabilität

Die Gemeinschaft spendet Kraft

Lampertheim.Den ganz normalen Alltag zu regeln, das kann für Menschen mit Depressionen oder Psychosen zu einer echten Herausforderung werden. Seit mittlerweile 20 Jahren unterstützt die Lampertheimer Tagesstätte der Caritas Menschen mit psychischen Erkrankungen. Zurzeit kommen täglich bis zu 26 Klienten in die Einrichtung. Dort werden sie von zwei Sozialarbeitern, einer Egotherapeutin und einer Hauswirtschafterin bei der Bewältigung ihres Alltags unterstützt.

So lernen die Klienten zwischen 8.30 und 15.30 Uhr ihre Zeit sinnvoll einzuteilen, ihre Talente zu entdecken und vor allem Kontakte zu anderen Betroffenen zu knüpfen. Gemeinsam kochen und essen gehört ebenso dazu wie das Verrichten einfacher Arbeiten. Auch treiben die Klienten gemeinsam Sport, üben sich in Achtsamkeit oder gehen auf Wanderschaft. Der Fokus dabei liege auf den Erfahrungen in der Gemeinschaft, sagt Leiterin Monika Horneff. „Gemeinsam können die Patienten das Gefühl der sozialen Isolation überwinden“, fügt sie hinzu. Das passe zwar nicht für alle Klienten, manche verzichten nach einer Weile auch auf das Angebot der Caritas oder sie müssen gehen, weil beispielsweise ihre Alkohol- oder Drogensucht zum Problem in der Tagesstätte wird, sagt Horneff.

Sicherheit und Geborgenheit

Welche Bedeutung das für Klienten haben kann, lässt sich in einer Schrift nachlesen, die nun aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der Tagesstätte veröffentlicht wurde. „Es tut mir gut, dass mich die anderen so annehmen, wie ich bin“, wird darin etwa eine 46 Jahre alte Besucherin der Tagesstätte zitiert. Das Miteinander, die Beratungen durch Fachkräfte aber auch die abwechslungsreichen Aktivitäten werden in der Broschüre auch von anderen Frauen und Männern gelobt. „Die Tagesstätte bedeutet mir viel: Sicherheit, Geborgenheit“, schreibt beispielsweise eine 57 Jahre alte Klientin.

Die Einrichtung ist Teil des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Bergstraße-Ried, das seit 1999 ebenfalls in Lampertheim vertreten ist. Das Zentrum berät und unterstützt Menschen, die beispielsweise unter einer psychischen Erkrankung leiden oder sich in einer Lebenskrise befinden.

Im Lampertheimer Zentrum hat sich die Situation in den vergangenen 20 Jahren verändert, wie Diplom-Sozialpädagogin Horneff sagt. „Wir stellen beispielsweise fest, dass mehr junge Menschen – also in einem Alter unter 25 Jahren – zu uns kommen.“ Dies hänge nicht selten mit einer Drogensucht zusammen. Auch Menschen mit Migrationshintergrund kämen mittlerweile öfter in die Einrichtung. Wie bedeutsam ein solches Angebot sein kann, wird deutlich beim Blick auf die soziale Situation, in der viele Klienten stecken, sagt Horneff.

So stehe etwa die Mehrheit der Besucher dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung, da sie schon seit Jahren unter ihren Krankheiten leiden. „Die meisten von ihnen erhalten daher Grundsicherung oder eine kleine Rente“, sagt sie. Umso wichtiger sei es daher, die Menschen durch die Gemeinschaft und einen „aktivierenden Alltag“ zu stützen.

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