Lampertheim

Altrhein Mehrere Tage nach der Entdeckung tausender Tierkadaver treiben noch immer viele Fische auf dem Gewässer

Die toten Fische werden zum Problem

Lampertheim.Vier Tage nachdem Angler tausende Fischkadaver im Altrhein entdeckt haben (wir berichteten), treiben noch immer zahlreiche tote Tiere auf dem Gewässer. Für die Stadt Lampertheim ist das eine schwierige Situation, da die Mitarbeiter der Technischen Betriebsdienste am Wochenende mit den Arbeiten rund um die Lampertheimer Kerwe und die Hofheimer Kerb ausgelastet sind und sich kaum um die Beseitigung der toten Tiere kümmern können.

Beklemmender Anblick

„Unsere Mitarbeiter sind an ihre Kapazitätsgrenze angelangt“, sagte ein Sprecher im Rathaus am Freitag. Ob und wie die restlichen Kadaver nun aus dem Altrhein geborgen werden können, war zunächst unklar, wie der Sprecher mitteilte. Zwar hatten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs am Dienstag und am Mittwoch gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Lampertheim tausende tote Fische bis in die Abendstunden eingesammelt und abtransportiert; gleichwohl könnten zahlreiche Kadaver auch noch in den kommenden Tagen im Heegwasser treiben.

Das sorge für einen beklemmenden Anblick. Betrachtern schlage zudem der faulige Geruch toter Fische entgegen, hieß es. Als Auslöser für das Massensterben nannte Rainer Hennings vom Büro für Fischereiberatung und Gewässerökologie in Fürth die lange und warme Klimaperiode. Diese habe zu einem massiven Algenwachstum geführt und auf diese Weise den Sauerstoffgehalt im kaum bewegten Wasser drastisch gesenkt. Ähnliche Vorfälle gab es in der Vergangenheit wiederholt, wenn auch nicht in diesem Ausmaß, wie Hennings sagte. Wenigstens handele es sich bei denn toten Fischen, die am Freitag noch immer auf dem Gewässer zu sehen waren, um Tiere, die vor etlichen Tagen verendet waren. „Es sind keine Fische, die vor kurzem umgekommen sind“, sagte Hennings.

Um Karpfen, Hechte, Zander, Welse oder Brassen mit Sauerstoff zu versorgen, hatte das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt (RP) am Donnerstag drei Wasserbelüfter in Betrieb genommen. „Längerfristig verteilt sich der eingebrachte Sauerstoff mit der Strömung im Heegwasser, aber auch in tiefere Gewässerschichten“, heißt es von der Behörde. Das dürfte langfristig die Lebensbedingungen für die Tiere wieder herstellen, löst aber nicht das akute Problem der toten Fische im Heegwasser. Aus Sicht des Regierungspräsidiums ist dafür vorrangig die Kommune zuständig. „In der Regel übernehmen die Behörden vor Ort solche Aufgaben“, wie ein RP-Sprecher in Darmstadt sagte. In Lampertheim ging diese Rechnung allerdings nur zwei Tage auf. Nach dem Einsatz wurden die städtischen Mitarbeiter mit Blick auf die zwei Volksfeste am Wochenende für andere Aufgaben benötigt, wie es von der Stadt hieß. Wie das Problem gelöst werden kann, war am Freitag noch offen. Vertreter von RP und Stadt trafen sich am Abend, um das Problem zu besprechen. „Wir hätten uns zuvor uns eine stärkere Kommunikation mit dem Regierungspräsidium gewünscht“, hatte ein Sprecher der Stadt vor dem Treffen gesagt. Ähnlich sieht man das bei der Feuerwehr: „Wir haben Amtshilfe geleistet und alles in unserer Macht stehende getan“, sagt Stadtbrandinspektor Klaus Reiber. Dazu habe gehört, dass der Sauerstoffgehalt im Wasser gemessen wurde. Gleichwohl sei die Beseitigung von Tierkadavern keine originäre Aufgabe der Feuerwehr.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional