Lampertheim

Lessing-Gymnasium Aus Verhören von Adolf Eichmann vorgelesen

Die unglaublichen Aussagen eines NS-Verbrechers

Lampertheim.„Dafür war ich nicht zuständig. Ich hatte Befehle, habe nur gehorcht.“ Das sind Beteuerungen und Ausflüchte, wie sie die israelischen Offiziere beim Verhör des NS-Verbrechers Adolf Eichmann unzählige Male zu hören bekamen. Eichmann gilt als Inbegriff des Schreibtischtäters und als einer der Hauptorganisatoren des Holocausts. Und doch wies Eichmann bis zu seiner Hinrichtung jegliche Verantwortung von sich, stellte sich gar als bedauernswertes Opfer einer übermächtigen Befehlskette dar. LGL-Schüler konnten sich bei einer szenischen Lesung der Hannoverschen Kammerspiele nun selbst ein Bild vom Werdegang und den Beweggründen eines NS-Verbrechers machen.

Eine fast schon ehrfürchtige Stille herrschte in der Aula der Europaschule, als das Schauspieler-Duo seine Aufführung nach einer Dreiviertelstunde beendete. Der Applaus der Schüler wirkte fast noch nachdenklich. Ganz so, als habe sie das, was sie gerade gesehen haben, nachhaltig beeindruckt. Die szenische Lesung beschäftigte sich mit einem der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte: der Biografie und den Ansichten des Adolf Eichmann. Als SS-Obersturmbannführer organisierte er maßgeblich den Holocaust, war die zentrale Figur bei der Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von sechs Millionen Menschen.

Hauptgegenstand der Lesung war das Verhör durch israelische Offiziere, nachdem der israelische Geheimdienst Mossad Eichmann aus seinem argentinischen Versteck in Buenos Aires entführt und in Israel den Prozess machte und später hinrichten ließ. Dazu trugen die Schauspieler Originalzitate und Dialoge aus dem rund 275-stündigen Verhörprotokoll vor. Im Wechsel mit einer Erzählstimme zeichneten sie so die Geschichte des Nationalsozialisten nach.

Besonders Eichmanns Empfindungslosigkeit machte viele Schüler sprachlos. Etwa, wenn er von Menschen wie von „einem dampfenden Kessel, der ein Ventil braucht“ sprach oder wenn er zu Protokoll gibt: „Das waren keine persönlichen Entscheidungen. Ich habe gehorcht. Befehle müssen durchgeführt werden. Hätte auch keinen Unterschied bei meinem eignen Vater gemacht“. Eichmann versteckte sich permanent hinter Verordnungen und Weisungen. Der Führer habe die physische Vernichtung der Juden befohlen. Er selbst habe aber „nie auch nur einen Menschen getötet“. Besonders paradox wird es, wenn Eichmann von seiner zarten Natur spricht: „Ich kann mir so etwas gar nicht mit anschauen. Arzt hätte ich nicht werden dürfen.“

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