Lampertheim

Zehntscheune 100 Teilnehmer bei Speedcubing-Wettbewerb

Drehen, was der Würfel hält

LAMPERTHEIM.Ihn kennt wohl jeder: Den schwarzen Würfel mit neun wild durcheinander gemischten, bunten Feldern auf jeder Seite, den es durch korrektes Drehen wieder in seine Ausgangsform mit sechs einheitlichen Farbflächen zu bringen gilt, auch bekannt als der Zauberwürfel. 1974 vom Ungar Erno Rubik als Geduldsspiel zur Steigerung des räumlichen Denkvermögens erfunden, war der klassische Würfel mit drei mal drei farbigen Quadraten auf jeder Seite für Könner am Wochenende bei den siebten Hessen Open im „Speedcubing“ eher eine Sekundenangelegenheit.

Für Laien stellt oft schon das bloße Lösen eines Zauberwürfels eine Herausforderung dar, für planloses Drehen und Grübeln hatten die echten „Cuber“ in der Lampertheimer Zehntscheune nur ein müdes Lächeln übrig. Ein paar fliegende Finger und rasantes Klicken, schon ist der Würfel gelöst – und das in nicht einmal zehn Sekunden. Der Weltrekord, aufgestellt in diesem Jahr vom Australier Feliks Zemdegs, liegt gar bei 4,22 Sekunden.

Doch das „Cuben“, wie es in der Szene genannt wird, beruht keinesfalls auf Zauber oder Magie. Es ist vielmehr ein Denksport gepaart mit Fingerfertigkeit. Zum Lösen des Würfels gibt es verschiedene Lösungswege wie die „Fridrich Method“, bei denen Cuber etliche Algorithmen und Spezialfälle auswendig lernen und diese dann in wenigen Sekunden anwenden müssen. Damit es den Spielern nicht langweilig wird, gibt es mittlerweile nicht mehr nur den klassischen Würfel mit neun Feldern auf jeder Seite. Exemplare mit sieben mal sieben Feldern je Seite sind längst gängig, auch Pyramidenformen sind zu sehen.

„Es gibt mittlerweile rund 18 Disziplinen, davon tragen wir 15 in Lampertheim aus“, berichtete Fabian Simon. Für ungläubiges Kopfschütteln sorgten die Disziplinen „Blindfold“ und „Multiple Blindfold“. Hier müssen sich die Teilnehmer einen oder mehrere Zauberwürfel einprägen und sie anschließend mit verbundenen Augen lösen. „Das kann so weit gehen, dass über 20 Würfel versucht werden, blind zu lösen“, erzählte Simon. Auch einhändiges Drehen stand auf dem Programm, selbst dafür benötigen die Besten nicht einmal 20 Sekunden.

Das Turnier findet auf Simons Initiative seit 2012 statt, jährlich folgen rund 100 Cuber aus der ganzen Welt der Einladung in die Spargelstadt. „Wir haben Teilnehmer aus Belgien, Frankreich, Ungarn und der Schweiz. Es sind sogar Spieler aus den USA und Tunesien gemeldet“, freute er sich. Simon ist selbst leidenschaftlicher Cuber, die meisten Teilnehmer sind ähnlich jung wie er. „Der Durchschnitt dürfte um die 19 Jahre liegen“, sagte er mit Blick zu den Tischen. Die Hessen Open sind Teil einer offiziellen Turnierserie, die dem Verband der World Cube Association zugehörig sind. Simon sieht das Speedcubing im Trend, deshalb stünde den Turnieren auch in Zukunft nichts im Wege. ksm

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