Lampertheim

Bürgermeisterwahl Podiumsdiskussion des Südhessen Morgen

„Ehrenvolles Amt“ lockt ins Stadthaus

Lampertheim.Wer hat bei einer Wahl die besseren Karten? Der Amtsinhaber – weil er bereits über Berufserfahrung und interne Kenntnisse verfügt? Oder die Herausforderer – weil sie gerade nicht die nötige Berufserfahrung vorweisen und deshalb noch nicht an tatsächlichen Leistungen gemessen werden können? Beim Wahlforum des Südhessen Morgen mit den drei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 26. Mai hatten die Besucher reichlich Gelegenheit, diese Vor- und Nachteile selbst zu gewichten.

Rund 700 Interessierte strömten am Donnerstagabend in die Hans-Pfeiffer-Halle. Immer wieder mussten weitere Stühle aufgestellt werden. Trotz eines Fußballspiels mit Beteiligung der Frankfurter Eintracht harrten die Besucher mehr als zwei Stunden lang konzentriert aus, um der Diskussion auf dem Podium zu folgen. Moderator und SHM-Redakteur Martin Schulte freute sich über die beeindruckende Zuhörerkulisse und begann die Debatte mit der Frage nach der Motivation der Herausforderer von Amtsinhaber Gottfried Störmer, warum sie für den höchsten Posten im Lampertheimer Stadthaus kandidieren. Immerhin sitzen Marco Steffan und Lothar Pfeiffer als Geschäftsleute fest im Sattel.

Partner der Bürger

„Warum wollen Sie sich das antun?“, fragte der Moderator den Immobilienmakler Steffan, der sich zudem mit seiner Stiftung Athletes for Charity ehrenamtlich für kranke Kinder engagiert. Schließlich sei der Job des Bürgermeisters „kein karitatives Amt“. Aber ein „ehrenvolles Amt“, parierte der 43-Jährige. Als Bürgermeister würde er sich als Partner der Bürger und der Verwaltungsmitarbeiter sehen, der „rund um die Uhr“ ansprechbar sei. Außerdem fand Steffan, Städte wie Bürstadt oder Lorsch hätten sich weiter entwickelt als Lampertheim. Diesen Zustand würde er ändern wollen.

Sein Mitbewerber um das Bürgermeisteramt, Lothar Pfeiffer, ist als Inhaber des Radladens in der Bürstädter Straße sowie als Mitinhaber einer Immobilienagentur ebenso voll im Geschäft. Dennoch warte er seit Jahrzehnten darauf, seine Konzepte für eine Belebung der Innenstadt aus der Schublade holen und in die Realität umsetzen zu können. Sogleich begann er damit, seine Pläne zu erläutern und musste von Moderator Schulte auf einen späteren Zeitpunkt dieses Abends vertröstet werden. Beide Kandidaten versicherten auf Nachfrage, Interessenskonflikte zwischen ihren Immobiliengeschäften und einer späteren Bürgermeistertätigkeit seien nicht gegeben.

Brennpunkt Innenstadt

Großen Raum nahm in der Diskussion die Weiterentwicklung der Innenstadt ein. Wie soll es weitergehen in der Fußgängerzone, auf dem Schillerplatz und im Gebiet zwischen Domgasse und Emilienstraße? Was soll das in der Öffentlichkeit kritisierte Stadtmarketing bringen und wofür braucht Lampertheim ein Tourismuskonzept? Wie sieht es überhaupt mit der Kompetenz der Bürgermeisterkandidaten aus, einen Apparat wie eine fast 500-köpfige Verwaltung (die kommunalen Kindertagesstätten und die Technischen Betriebsdienste eingerechnet) zu führen?

Amtsinhaber Gottfried Störmer, vergangenen Montag 60 Jahre alt geworden, ertrug die Anfangsphase dieser Debatte mit demonstrativer Gelassenheit. Mehrfach konterte er die Angriffe seiner Kontrahenten mit Hinweisen auf real existierende Bedingungen, die auch einem Bürgermeister Grenzen setzten. Sei es durch rechtliche Vorgaben, politische Entscheidungen oder haushaltsmäßige Gegebenheiten.

Angespannt wirkte Störmer, als es um das Verhältnis zwischen Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeitern ging. Doch auch seine Herausforderer ließen es an Souveränität mangeln, wenn sie nach der konkreten Umsetzung und der Finanzierbarkeit ihrer großzügig gesponnenen Pläne gefragt wurden.

Auch Besucher kamen im Verlauf der Diskussion zu Wort. Sie meldeten sich mit eigenen Fragen an die Kandidaten oder gaben kurze Statements ab. Am Ende dürfte nicht jedes Thema, das die Bevölkerung aktuell interessiert, ausgiebig besprochen worden sein. Aber einen persönlichen Eindruck konnte man sich von den drei Bewerbern um das höchste Amt in Lampertheim zweifellos verschaffen. Bei rund 700 Besuchern dürfte das Wahlforum des Südhessen Morgen von nicht unerheblicher wahlentscheidender Qualität gewesen sein.

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