Lampertheim

Kriminalität Falsche Polizisten haben auch in Lampertheim ihr Unwesen getrieben / Ein Betroffener berichtet

Ein Anruf in der Nacht, der heute noch bedrückt

Lampertheim.Es war kurz nach 23 Uhr im Oktober, als bei Heinz F. (Name von der Redaktion geändert) das Telefon klingelte. Felix Stein von der Polizeistation Lampertheim-Viernheim am Apparat. In der Nachbarschaft sei eingebrochen worden. Deshalb müsse Heinz F. nun Fragen beantworten, damit ihn die Polizei schützen könne.

Ob er ausländische Hilfskräfte beschäftige, wollte „Felix Stein“ wissen. Ob Heinz F. Bargeld oder Schmuck im Haus aufbewahre. Es bestehe die Gefahr, dass weitere Einbrüche verübt würden. Spätestens bei der Frage nach seinen Vermögensverhältnissen wurde Heinz F. stutzig. Er reichte seiner Frau den Telefonhörer und rief mit dem Handy die Polizeistation in Lampertheim an. Dort wurde ihm gesagt, dass es zur Zeit mehrere Anrufe von Betrügern gebe, die sich als Polizeibeamte vorstellten. Wie jener Felix Stein, der weder so heißt noch Polizeibeamter ist.

Nicht abgehakt

Die Frau von Heinz F. legte irgendwann den Hörer auf. Die Fragen des falschen Polizisten wurden immer aufdringlicher. Nachdem der Anrufer es mehrfach versucht hatte, abermals telefonisch zu Ehepaar F. durchzudringen, zog Heinz F. den Stecker. Doch damit ist das Erlebnis noch nicht abgehakt. Es sitzt dem 68-Jährigen aus dem Guldenweg noch immer in den Knochen.

Im Gespräch mit dem Südhessen Morgen berichtet Heinz F., dass er es bereits merkwürdig fand, weshalb die Telefonnummer des angeblichen Polizisten nicht erkennbar war, also unterdrückt wurde. Doch der sogenannte Felix Stein habe sich in gewähltem Deutsch ausgedrückt, so dass er zunächst keinen Verdacht geschöpft habe. Zudem habe der Anrufer erstaunliche Details über ihn und seine Frau gewusst, angefangen mit den Vornamen bis hin zu Informationen über das Alter.

Eine Tatsache, die den 68-Jährigen bis heute bedrückt. Was wusste der Anrufer sonst noch? Und wie sicher kann man sich nach einem solchen Anruf fühlen? Die richtige Polizei hat sich laut Heinz F. bis heute nicht bei ihm gemeldet. Ihn hätte ein Gespräch mit einem Polizeibeamten etwas beruhigt, meint er. Noch immer blickt er „mit einem unguten Gefühl“ auf jenen Abend vor ein paar Tagen zurück, als spätabends das Telefon läutete.

In Gesprächen mit seinen Nachbarn und Bekannten hat Heinz F. inzwischen sein Erleben geteilt. Er möchte andere davor warnen, damit sie nicht auf eine betrügerische Masche hereinfallen, wie sie im gesamten Kreis Bergstraße in jüngster Zeit aktenkundig geworden ist. Das bestätigt die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Südhessen, Kathy Rosenberger, im Gespräch mit dieser Zeitung. Solche fingierten Anrufe tauchten regional immer wieder in Wellen auf. Die Polizei gehe davon aus, dass es sich hierbei um eine Form der Bandenkriminalität handelt.

Informationen über die Angerufenen würden sich die falschen Polizisten in der Hauptsache aus dem Internet besorgen. Dort hinterlasse jeder Nutzer irgendwelche Spuren. Oftmals stammten die Täter nicht aus der Region, sondern von weither oder aus dem Ausland. Dass diese sich durchaus gewählt ausdrückten, sei eine Folge lange eingeübter Routine am Telefon.

Geschickte Gesprächsführung

Gerade damit würden viele Opfer getäuscht; sie gingen spontan davon aus, dass es sich bei den Anrufern tatsächlich um „anständige“ Vertreter von Polizei oder Justiz handele. Durch die geschickte Art der Gesprächsführung seien sie dann auch bereit, Vermögensverhältnisse offenzulegen. „Manche verlieren dabei ihre gesamte Existenz“, sagt Polizeisprecherin Rosenberger. Sie weist auf präventive Informationen ihrer Behörde hin, die der Südhessen Morgen in gewissen Abständen auch veröffentlicht. Demnach würden Bürger von der Polizei niemals um Geldbeträge oder Informationen darüber gebeten. Auch werde kein Druck ausgeübt, etwa indem mit Besorgnissen der Angerufenen gespielt werde.

Die Sprecherin des Polizeipräsidiums teilt auf Anfrage mit, nicht jeder Fall könne von der Polizei anschließend weiter betreut werden. Entschieden werde hierbei aufgrund einer Einzelfallprüfung. Es sei aber wichtig, dass Telefonopfer ihre Erlebnisse der Polizei meldeten. Der richtigen natürlich, erreichbar unter der Rufnummer 110.

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