Lampertheim

Öffentliche Toiletten Mit einem Strategiepapier haben verschiedene städtische Abteilungen und der Behindertenbeirat die Weichen für neue WC-Anlagen gestellt

Ein Plan für stille Örtchen in Lampertheim

Archivartikel

Lampertheim.Schmutz, Uringestank und immer wieder mutwillige Beschädigungen lassen die öffentlichen Toiletten in Lampertheim nicht gut aussehen. Angesichts zunehmender Kritik am Mangel der Toiletten plant die Stadt neue Anlagen im Stadtgebiet. Im städtischen Sozialausschuss hat nun der Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt, Christian Plöhn das „Strategiepapier für öffentliche WC-Anlagen“ vorgestellt. Das Papier wurde mit verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltung und dem Behindertenbeirat erstellt.

Ausgaben von 240 000 Euro

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte die Stadtverordnetenversammlung den Auftrag zu einem solchen Konzept erteilt. Der Auftrag beinhaltet auch den Aspekt einer behindertengerechten Sanierung bestehender WC-Anlagen. Dies jedoch, so hieß es am Donnerstagabend im Ausschuss, sei in den meisten Fällen wenig sinnvoll, da die Sanierung vorhandener Toiletten so teuer wäre, dass sich eine Neuanschaffung anbiete.

Die Kostenplanung sieht vor, dass 240 000 Euro ausgegeben werden sollen, um zunächst zwei öffentliche WCs zu kaufen und aufzustellen. Für das Projekt sind mittlerweile auch Förderanträge an das Land Hessen versendet worden. Die Lampertheimer gehen davon aus, dass Wiesbaden zwei Drittel der Kosten übernimmt, das restliche Geld ist im städtischen Haushalt 2020 vorgesehen, wie es aus dem Fachbereich Bauen und Umwelt heißt. Über die Notwendigkeit der Neuanschaffung bestand am Donnerstagabend Einigkeit unter den Mitgliedern des Sozialausschusses.

Neue Toiletten sollen demnach „vandalismussicher“ und mit einer Technik zur Selbstreinigung ausgestattet sein. Wie Plöhn sagte, sind die vorhandenen Anlagen technisch betrachtet veraltet. Hinzu komme, dass die stillen Örtchen immer wieder mutwillig beschädigt oder verschmutzt werden. „Teilweise sind die Toiletten schon wenige Stunden nach einer Reinigung wieder so verschmutzt, dass sie nicht mehr genutzt werden können“, sagte Plöhn, der demnächst die Stelle wechselt und Lampertheim verlässt. Auch seien bestehende Anlagen, etwa am Bahnhof oder im Stadtpark weder durchgehend geöffnet noch behindertengerecht.

Die intakten und behindertengerechten Toiletten im Stadthaus, im Haus am Römer und im Parkhaus Domgasse hätten das Manko, dass die Nutzung, nur während der jeweiligen Öffnungszeiten möglich ist. Das wierum fördere die unangenehme Praxis des „Wildpinkelns“.

Zwei mögliche Standorte im Blick

Aus Sicht der Autoren bieten sich zunächst zwei Standorte für neue Toiletten an. Höchste Priorität habe die Gegend in der Nähe der Domkirche. Hier, in eine Nische, unweit der Domgasse, biete sich der Platz für eine behindertengerechte Anlage an, die rund um die Uhr geöffnet wäre, sagte Plöhn. Gelegen hinter dem Haus am Römer könnte man gut die Anschlüsse über das Verwaltungsgebäude herstellen. Zusammenpassen. Alternativ böte sich ein Standort westlich der Andreaskirche an, hieß es weiterhin.

Mit Blick auf den vorgeschlagenen Standort in Nähe der Domkirche äußerte Gabriele Schmerse (CDU) Bedenken, da es sich dabei vor allem abends um einen eher einsamen Ort handle. „Ich als Frau würde dort nicht zur Toilette gehe“, sagte sie. Ein Vorschlag lautete, man könne etwa mit Bewegungsmeldern arbeiten, um zumindest den vorgesehenen Platz in Licht zu tauchen. Diskussionsbedarf besteht aber offenbar weiterhin. Die Gegend am Schillerplatz beziehungsweise am Parkhaus Domgasse wird ebenfalls als möglicher Ort für eine öffentliche Toilette genannt. Sollte das umstrittene Parkhaus erhalten bleiben, könne man die bestehende Anlage sanieren. Bei einem Abriss könnte ein WC am Schillerplatz aufgestellt werden. „Dieser Standort wurde von den meisten Beteiligten als sinnvoll erachtet und entsprechend mit der zweithöchsten Priorität versehen“, heißt es in dem Papier.

Behindertengerecht? Fehlanzeige

Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen bietet indes auch der Blick auf Kneipen und Lokale wenig Trost. „In der Lampertheimer Gastronomie im Stadtgebiet sind derzeit keine behindertengerechten WC-Anlagen vorhanden. Lediglich die Waldgaststätte Heide besitzt im Außenbereich eine barrierefreie und rollstuhlgerechte WC-Anlage“, schreiben die Autoren im Strategiepapier.

Die Errichtung neuer WC-Anlagen auf den Spielplätzen Rosenstock III und Ringstraße wurde im Strategiepapier mit einer mittleren Priorität bewertet. Diese Ideen sollten nach und nach umgesetzt beziehungsweise im Zusammenhang mit einer Neukonzeption der beiden Spielflächen verwirklicht werden, heißt es in dem Konzept.

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