Lampertheim

Jugend- und Suchtberatung Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) besucht die Einrichtung Prisma in Lampertheim

Einblicke in die Suchthilfe

Lampertheim.Sie unterstützen Suchtkranke in allen Lebenslagen. Dabei geht es für die Sozialarbeiter der Lampertheimer Suchtberatung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Prisma nicht nur um illegale Drogen, wie Heroin oder Kokain. Auch Alkohol- und Spielsucht stehen bei ihnen auf der Tagesordnung. Für das Engagement gab es am frühen Freitagabend den diesjährigen Sozialpreis von den Jusos im Kreis Bergstraße. „Wir finden, dass Prisma eine sehr wichtige Arbeit leistet“, sagte Philipp Ofenloch, der Vorsitzende der SPD-Jugendorganisation.

Gekommen war mit Justizministerin Christine Lambrecht eine bedeutende Parteifreundin. Als Bundestagsabgeordnete für die Bergstraße wollte sie aus erster Hand erfahren, wie der Alltag bei Prisma aussieht. Dicht gedrängt in einem kleinen Büro referierten AWO-Geschäftsführer Sebastian Parker und der Lampertheimer Fachbereichsleiter Adrian Steier-Bertz über die wichtige Arbeit der Mitarbeiter.

Lücke im Haushalt

„Menschen, die unter Spielsucht leiden, werden mehr“, sagte Steier-Bertz beispielsweise. Ebenso gebe es Hinweise auf ein Ansteigen der Online-Sucht. Jedes Jahr wird bei 20 000 Kindern eine Mediensucht neu diagnostiziert, heißt es dazu etwa von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Das seien jährlich sechsmal mehr Neu-Abhängige als beispielsweise beim Konsum illegaler Drogen. Insgesamt gelten demnach bundesweit etwa 600 000 junge Menschen als medienabhängig. Das aber ist nur eine vorsichtige Schätzung. Seit Jahren beobachte man aber auch, dass der Konsum der vermeintlich leichten Droge gerade unter jüngeren Menschen zunimmt, sagte Steier-Bertz außerdem. „Cannabis ist auf dem Vormarsch.“

Dotiert ist der Sozialpreis der Jusos mit 200 Euro. Das Geld wurde von hauptamtlichen SPD-Mitgliedern gespendet und hat vor allem eine symbolische Bedeutung. Zumal mit Blick auf die Finanzen von Prisma. Hier nämlich klafft eine Lücke im Haushalt der AWO.

Wie Geschäftsführer Parker sagte, handelt es sich um etwa 50 000 Euro. Statt der benötigten 360 000 Euro stehen der Suchthilfe aktuell nur 310 000 Euro zur Verfügung. Dabei erhalten die Mitarbeiter Gehälter, die unterhalb üblicher Tarife liegen, wie der Geschäftsführer dem Südhessen Morgen sagte. Allein 30 000 der fehlenden 50 000 Euro werden dem Bereich der Beratung zugeordnet.

Immer mehr Beratungen

Als Jugend- und Suchtberatung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sind die Mitarbeiter für die Ried-Kommunen sowie für Bensheim und Viernheim zuständig. Dabei sind sie etwa als Streetworker unterwegs. In den Schulen des Landkreises sind die Mitarbeiter von Prisma ebenfalls engagiert und klären Schüler über Gefahren des Drogenkonsums auf. Prävention sei auch hier der bessere Ansatz. Durch Aufklärung über die Gefahren eines erhöhten Konsums wollen die Sozialarbeiter erreichen, dass es gar nicht erst zum gesundheitsschädlichen Konsum oder zur Sucht kommt.

Auch vermitteln sie Suchtkranke an Ärzte und schreiten ein, wenn sich ein Klient in einer gefährlichen Krise befindet. Auch unterstützen die Sozialarbeiter heroinabhängige Frauen und Männer, wenn diese auf einen Ersatzstoff umsteigen wollen.

Zum Kerngeschäft gehört auch die unentgeltliche Beratung von Suchtkranken und deren Angehörigen. In dem Bereich steige die Zahl der Menschen, die Beratungsgespräche erhalten.

Kamen 2014 noch weniger als 300 Klienten zu den Beratungsterminen, waren es im vergangenen Jahr bereits 566 Menschen, die das Angebot in Anspruch nahmen, sagte Adrian Steier-Bertz. „Sucht belastet nicht nur den Betroffenen, sondern auch die Menschen in dessen Umfeld“, fügte der Fachbereichsleiter hinzu. „Oftmals sind es die Eltern, die sich in Sorge um ihre Kinder an uns wenden“, hebt er hervor. Gleichwohl sei es auch oft der Fall, dass suchtkranke Eltern für Probleme sorgen und Kinder die Leidtragenden sind.

Lambrecht will helfen

Das Geld für die Lampertheimer Einrichtung kommt aus einer Mischfinanzierung, die durch das Land Hessen, den Kreis Bergstraße und die Kommunen abgedeckt wird, sagte der Geschäftsführer. Derzeit gibt es vier Stellen im Bereich Drogen- und Suchtberatung. Doch das Damoklesschwert einer schwierigen Finanzsituation schwebt über Prisma. Um die Finanzlücke ausgleichen zu können, wolle man zeitnah Gespräche mit den beteiligten Kommunen führen, kündigt Sebastian Parker an und erhält Unterstützung von der Bundesjustizministerin.

Mit Blick auf die Bedeutung von Prisma, wolle sie für ein stärkeres Engagement in den Kommunen eintreten. „Versprechen kann ich nichts, aber werben werde ich“, kündigte sie an.

Es gibt aber auch positive Entwicklungen im Bereich der Suchtprävention. Wie Prisma-Mitarbeiterin Nikita Girad sagte, greifen heutzutage weniger Jugendliche zur Zigarette. „Das liegt an der hohen Tabaksteuer. Auch wirkt sich die Aufklärung in Sachen Nikotin aus“, sagte sie. Allerdings stellten sich mit dem Aufkommen der E-Zigaretten neue Fragen, mit denen sich die Gesellschaft künftig auseinandersetzen muss, gab sie zu bedenken. In Lampertheim habe man jedenfalls einen Blick auf das Thema.

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