Lampertheim

Kabarett Erste Mix-Show im London Pub mit bitterbösem Humor und berührender Musik

Eine Show mit Kleinkunstherz

Archivartikel

Lampertheim.Pointenreiches Kabarett, unterhaltsame Wortspiele, ironischer Blues und exzellente Live-Musik – die erste „Mix-Show“ im London Pub hatte alles, was das Kleinkunstherz begehrt. Die Mischung aus dem vollen Repertoire der Kunstszene mit Showgröße Matthias Reuter, Musiker-Urgestein Hans-Jürgen Götz und den aufstrebenden Lampertheimer Künstlern Isabel Brechenser und Adrian Störmer begeisterte das Publikum.

Auch Gastgeber Friedrich „Hacky“ Hackstein fehlte als Kunstfigur Paul nicht. „Besser geht’s nicht“, war Wirt Hacky nach zweieinhalb Stunden Show zufrieden. Obwohl sich die Künstler vorher untereinander nicht kannten, harmonierten sie bei der Veranstaltung. Und das nicht erst bei der Zugabe, als der Oberhausener Klavierkünstler Reuter zu seinem abschließenden „Revolution-in-der-Pflege-WG“-Blues die Musiker Götz und Störmer einfach mitmachen ließ. Matthias Reuter bewies, weshalb er nicht nur im Ruhrpott ein beliebter Künstler ist.

Seine einzigartige Art, Kabarett und Klavier miteinander zu vereinen, ließ die Besucher Tränen lachen. Etwa beim „Komm-doch-erst-mal-an“-Blues oder beim Dialog mit dem künstlerischen Pizzabäcker, der ihm eine Prosciutto für 250 Euro verkaufen will. Von einem Besuch bei seinem Kumpel Reuter in der alten Ruhrpott-Heimat hatte Wirt Hacky auch die Idee zur Mixed-Show. Zwei weitere Termine mit neuen Gästen stehen schon fest.

Bei der ersten Auflage gaben die Künstler auch ernste Themen zum Besten. Man stelle sich mal vor, in Deutschland herrsche plötzlich ein bundesweiter „Hass-Ausfall“. „Dafür muss man in der Online-Tagesschau schon bis auf Seite 15 klicken“, befand etwa Isabel Brechenser.

Lampertheimer Lokalmatadorin

Die Lampertheimerin ist amtierende U20-Hessenmeisterin im Poetry-Slam – einem modernen Dichter-Wettbewerb. Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus betonte sie etwa: „Man muss auch mal lachen im Krieg“. Zu viel werde schwarz gesehen, zu oft würden die negativen Schlagzeilen überwiegen. „Krieg, Anschlage auf Moscheen und der Brexit“, zählte sie auf. Dabei gebe es auch noch Schönes. „Zum Beispiel die Geburt von Robbenbaby Paula“. So hoffe sie, dass sich die Menschen künftig auch wieder auf die schönen Dinge konzentrieren.

In diese Kerbe schlug auch Reuter. Bei seinem „Hass-Ausfall“-Song verquerte er die Tatsachen. Plötzlich backt die AfD Baklava und „von München bis Leverkusen sieht man Skinheads und Salafisten schmusen“. Eine gehörige Portion Gesellschaftskritik schwang bei Beiden humorvoll verpackt mit – auch als die 19-jährige Brechenser sich mit der „Fick-Dich-Schublade“ über Vorurteile und Klischees beklagte.

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