Lampertheim

ICE-Trasse Bürgerinitiative Lampertheim (Bila) trifft FDP-Bundestagsabgeordneten und Verkehrsexperten Christian Jung

„Einen Tod muss man sterben“

Archivartikel

NEUSCHLOSS.„Das Anliegen ist auf dem Weg in den Bundestag“, machten sich die Verantwortlichen der Bürgerinitiative Lampertheim – „Lebensraum vor ICE-Trasse“ (Bila) am Montagmorgen neuen Mut. Die im Februar 2009 gegründete Aktionsgruppe traf sich in Neuschloß mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten und Bahnexperten Christian Jung. Der 40-Jährige aus dem Wahlkreis Karlsruhe-Land war auf Einladung des Bergsträßer Bundestagsabgeordneten Till Mansmann (FDP) gekommen. Jung wollte sich am Ortseingang selbst ein Bild von der geplanten, waldzerschneidenden C-Trasse machen und ließ sich von der Sinnhaftigkeit einer Trassenbündelung mit der Autobahn 67 überzeugen.

Neue Strecke „grundsätzlich gut“

Jung riet der Bila, der Bahn nicht nur mit ökologischen, sondern auch wirtschaftlichen Argumenten zu begegnen. „Niemand ist generell gegen die Bahn“, machte er gleich zu Beginn klar, „eine neue Strecke kann wegen steigendem Bedarf grundsätzlich gut sein. Allerdings muss bei Planungen ein Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie bestehen.“ Deshalb tendiere er, wie es auch die Bila fordert, zum Bau an der A67. „Es macht Sinn, die bestehende Schneise zu nutzen“, sagte der Studiendirektor a.D. Bisher hatten aus Sicht der Bahn immer Kosten- und Zeitfaktoren gegen eine Konsenstrasse entlang der Autobahn in Richtung Lorsch gesprochen. Schon bei der ursprünglichen Idee zur Neubautrasse zwischen Frankfurt und Mannheim war es um einen Zeitgewinn von neun Minuten gegangen.

Jung erklärte, dass die Bila selbst mit diesen Faktoren argumentieren könne. „Man muss es praktisch sehen“, erklärte er. Eine Neubautrasse gegen den Willen der Bevölkerung und eine aktive Gegenbewegung durchzusetzen, würde beim heutigen Klagerecht „mindestens 15 Jahre dauern“. „Keiner, auch nicht die Bahn, möchte die Neubautrasse erst 2040 in Betrieb nehmen“, war der Freie Demokrat überzeugt.

Widerstand verursacht Kosten

Die Konsenstrasse entlang der Autobahn hätte durch eine breite, überregionale Zustimmung dagegen die Chance, viel schneller umgesetzt zu werden. Sie müsse mit deutlich weniger Widerstand rechnen. „Was sind dann schon wenige Minuten gegen mehrere Jahre zusätzliche Realisierungszeit?“, fragte er in die Runde. Das sei dann nicht nur eine Frage von Ökologie und Zeit, sondern auch schnell eine Frage des Geldes. „Bindet man die Bevölkerung nicht mit ein, explodieren die Theoriekosten schnell um den Faktor 2,5. Das zeigen die Erfahrungen der Vergangenheit“, sagte Jung. Darüber hinaus müssten Züge auch auf der geplanten Schnellbahnstraße C beim Einfahren nach Mannheim frühzeitig abbremsen, so dass sich der Zeitverlust auf der Konsenstrasse durch zusätzliche Kurven in Grenzen halte.

„Im Endeffekt“, meinte Jung, „ist das doch für alle Beteiligten das Beste. Es bringt uns doch nichts, wenn es noch in 20 Jahren keine neue Strecke gibt und der Zusatzverkehr ausschließlich über die Bestandsstrecke abgewickelt wird“. Das hätte enorme, negative Auswirkungen auf die Lärmbelästigung.

Deshalb müsse sich die Bürgerinitiative nicht nur gegen die geplante Neustrecke einsetzen, sondern auch besonders für besseren Lärmschutz auf der bestehenden Riedbahn stark machen. „Diskussionen über virtuelle Strecken bringen nichts, wenn gleichzeitig der Verkehr und die Belastungen auf der Bestandsstrecke zunehmen“, sagte das Verkehrsausschuss-Mitglied zum Abschluss.

Den Befürchtungen des FDP-Stadtverordneten Helmut Hummel, dass es durch den steigenden Güterverkehr auf der Bestandstrasse auch zu negativen Auswirkungen auf geplanten Ausbau des S-Bahnverkehrs in Lampertheim kommen könne, stimmte er zu. Jung merkte allerdings auch an, dass man bei einem Neubau „immer einen Tod sterben müsse“. „Auch mit der Konsenstrasse werden nicht alle zufrieden sein“, so seine Prognose.

Im Anschluss an den Termin in Neuschloß traf sich Christian Jung auch mit Landrat Christian Engelhardt zum Thema. In Berlin sollen in den kommenden Wochen „wichtige Gespräche“ stattfinden, kündigte Jung an. „Wir bleiben am Ball“, meinte Till Mansmann. ksm

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