Lampertheim

Straßenverkehr Ehrenamtliche des Auto Clubs Europa (ACE) nehmen morgendlichen Bringverkehr an der Lampertheimer Goetheschule ins Visier

„Elterntaxis“ verursachen Probleme

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Der Wecker klingelt viel zu früh, die Zeit drängt. Vor der Arbeit noch schnell den Nachwuchs mit dem Auto zur Schule fahren. Direkt vor der Schule ist kein Parkplatz frei. Also springt die Zweitklässlerin vorm Schultor schnell aus dem Auto. Doch genau dieses vermeintlich schnelle und sichere „Elterntaxi“ sorgt allmorgendlich vor den Schulen für erhöhte Unfallgefahr und Verkehrschaos, sagt Volker Schork vom Auto Club Europa (ACE). Der Regionalbeauftragte für Hessen hat den morgendlichen Bringverkehr an der Goetheschule unter die Lupe genommen.

Mit zwei ehrenamtlichen Kollegen vom ACE hat er sich an neuralgischen Punkten in der Hagen- und der Jakobsstraße rund um die Grundschule aufgestellt und Verkehrsverstöße notiert. Die Bilanz in einer halben Stunde: Von 23 beobachteten Fahrzeugen blieben nur fünf unbeanstandet. Die restlichen 18 „Elterntaxis“ haben nach ACE-Beobachtungen teilweise gleich mehrfach gegen Verkehrsregeln verstoßen. Den Eltern der Grundschüler stellte Volker Schork, der solche Untersuchungen hessenweit durchführt, deshalb ein gemischtes Zeugnis aus. „Es gab zwar vergleichsweise nicht so viele Verstöße, aber die wenigen hatten es in sich“, meinte er.

Ein großer, weißer AMG-Mercedes etwa sorgte kurzzeitig für Schnappatmung beim Regionalbeauftragten. Das „Elterntaxi“ hielt vor der Schule inmitten der Fahrbahn, nachkommende Grundschüler auf dem Fahrrad mussten bei beidseitig aufgehenden Türen in die Eisen steigen oder ausweichen. „Extrem gefährlich“ fand das der ACE-Mann.

Besonders Wendemanöver, rückwärts Rangieren sowie das Parken auf Fahrrad- und Fußwegen sind ihm ein Dorn im Auge. „Das gefährdet vor allem zu Fuß gehende oder radfahrende Kinder“, sagte er. Dabei möchten die ACE-Ehrenamtlichen nicht mit erhobenem Zeigefinger wahrgenommen werden. Im morgendlichen Stress fühlten sich Eltern „schnell mal auf den Schlips getreten“ und es könne zu Aggressionen kommen. In Lampertheim notierten sie deshalb lediglich die Verstöße. Unterstützt wurden sie dabei von Annerose Babelotzky und Jürgen Strubel vom Ordnungsamt. Von dort kam – wegen der Beschwerden an der Schule – auch der Kontakt zum ACE zustande.

Statt direkt das Gespräch mit den Eltern zu suchen, unterbreitet der ACE seine Verbesserungsvorschläge Schule und Stadt. „Aus der Hagenstraße muss die Geschwindigkeit rausgenommen werden – durch Blitzer oder Hubbel“, fand Schork. Kaum jemand halte sich dort an das vorgeschriebene Tempo 30. Der ACE plädierte außerdem für die Einrichtung eines sicheren Elternparkplatzes in bis zu 500 Meter Abstand von der Schule. Das reduziere nicht nur den Verkehr, sondern habe auch für den Nachwuchs viele Vorteile. „Die Kinder sind an der frischen Luft, sind wacher, werden selbstständiger und lernen besser mit dem Verkehr umzugehen“, sagte Schork. Auch von Lehrern komme die Rückmeldung, dass Schüler nach dem Laufen aufmerksamer seien. Ein ähnlicher Parkplatz für das Schulzentrum West wird in Lampertheim allerdings nur sehr spärlich wahrgenommen. ksm

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