Lampertheim

Weihnachten Was vielen Menschen in Lampertheim wichtig ist, wenn es um die richtige Art des Feierns geht

Endlich heimkommen an Heiligabend

Archivartikel

Lampertheim.Weihnachten ist das Fest der Familie. Und das Fest des Heimkommens. Doch weshalb kehren viele Menschen über die Feiertage in die Spargelstadt zurück? Der schönen Innenstadt und der vielen Attraktionen wegen wohl kaum, munkeln böse Zungen. Und wie und wo feiern die Lampertheimer Heiligabend?

Die Antwort der „Rückkehrer“ ist stets die gleiche: „Es geht nicht um den Ort, sondern um die Menschen.“ Und doch gibt es für manch einen feste Plätze und Traditionen, die genauso zum Fest wie die Geschenke gehören. Eine ehemalige Lampertheimer Kneipen-Institution wird dabei besonders bei den jungen Menschen schmerzlich vermisst.

Kirchturm und Friedhof

Für Karl-Heinz Lepper sind es genau zwei Orte, die besonders symbolträchtig für das Christusfest stehen: „Kirchturm und Friedhof“, sagt er. Mit Kirchturm, das ist für den 63-Jährigen klar, meint er die Domkirche. Um Religion geht es dem frisch gewählten Seniorenbeiratsmitglied aber nicht. „Sieht ein Lampertheimer den Kirchturm, springt sein Herz höher. Das ist einfach ein Gefühl der Heimat“, erklärt er. Lepper ist „seiner“ Spargelstadt rund 20 Jahre lang fremd gegangen. Lampertheim sei aber immer Dreh- und Angelpunkt seines Lebens geblieben. „Wir kommen noch heute immer alle hier zusammen“, erzählt er. Das sei immer schon der Wunsch der gesamten Familie gewesen. So kommt zu Heiligabend auch die Familie der Schwester ins Mehrgenerationenhaus der Leppers. „Ich kenne sogar Leute aus Australien und den Vereinigten Staaten, die extra für Weihnachten zurückkommen“, berichtet er. Eine weitere, wichtige Tradition für ihn: „Wir besuchen zusammen den Friedhof.“ Der Familie gedenken – das sei doch eine schöne Sache.

Dass viele Menschen Heiligabend mit ihren Lieben verbringen wollen, solange es noch möglich ist – das ist nicht erst seit dem einsamen Opa im Werbespot eines Lebensmittelmarktes bekannt. Doch das knapp zweiminütige Video zeigte vor ein paar Jahren eindrucksvoll, welchen Nerv die Supermarktkette damit getroffen hatte. Im Kurzfilm ist ein Großvater zu sehen, der über Weihnachten regelmäßig von seiner Familie allein gelassen wird. Erst mit seiner vermeintlichen Todesnachricht kommen alle Kinder und Enkel.

In Lampertheim scheint das „Heimkommen“ aber noch zu gelingen. „Das Schöne ist doch“, sagt Lisa Angermann, „dass man am 24. Menschen trifft, die man nur einmal im Jahr sieht. Weil zu Weihnachten alle nach Hause kommen“. Zu Hause, das ist für die 25-jährige Master-Studentin trotz Wohnort Frankfurt noch immer Lampertheim. „Ich möchte mit meiner Familie feiern“, erklärt sie. Danach ging es für ihre Clique an Heiligabend traditionell in die Kultkneipe „Neckartal“, das zum vergangenen Jahreswechsel seine Pforten für immer schloss. Eine neue Location hat die Truppe für dieses Jahr noch nicht gefunden.

Ähnlich geht es Maximilian Richter. Der 27-Jährige wohnt berufsbedingt in Düsseldorf. Auch er ist über die Feiertage bei seinen Eltern in Hüttenfeld zu Besuch. „Und das ist auch das Schönste an Lampertheim“, betont er augenzwinkernd. Fester Ort ist dabei keine Kneipe, sondern das Eigenheim – inklusive Besuch beim Vermieter, wo nach der Bescherung alle Nachbarn willkommen geheißen werden.

Gemütlichkeit im Ried

Einer, der es genau andersherum macht, ist Tobias Schmidt. Seit Juli letzten Jahres wohnt der Referendar in Lampertheim, ihn zieht es am Heiligen Abend zurück in die Pfälzer Heimat. Nur die beiden anschließenden Feiertage verbringt er „ganz gemütlich“ im Ried. Mit seinen Freunden trifft er sich dagegen jedes Jahr schon am letzten Wochenende vor Weihnachten in Mainz.

Einen deutlich weiteren Weg in die Heimat nimmt die Schauspielerin Nadine Dubois fast jedes Jahr auf sich. Seit 2004 wohnt sie in Berlin, ist aber in Lampertheim aufgewachsen. Warum sie immer wieder zurückkehrt? „Weil hier meine Familie ist. Und genau das ist für mich Weihnachten. Zeit verbringen mit den Menschen, die man liebt. Und gutes Essen. Alles andere ist egal. Wichtig ist nur, mit wem.“

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