Lampertheim

Umwelt Stechmücken-Larven auf dem Biedensand können nach Hubschrauber-Ausfällen nur zu Fuß bekämpft werden

Erinnerung an die große Schnakenplage 1988 wird wach

Archivartikel

Lampertheim.Aufatmen am Montag – auch in Lampertheim: Ein Hubschrauber zur Schnakenbekämpfung könnte ab dem Wochenende wieder einsatzfähig sein (wir berichteten). Auf Lampertheimer Gemarkung werde er allerdings erst nach der nächsten Hochwasserspitze des Rheins in die Luft gehen, erklärt Norbert Becker, wissenschaftlicher Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS), im Gespräch mit unserer Zeitung.

Nach dem Ausfall der beiden KABS-Helikopter sind Mitarbeiter der Aktionsgemeinschaft am vergangenen Mittwoch den Larven in Lampertheim zu Fuß zu Leibe gerückt. Haupteinsatzgebiet: der Biedensand mit seinen Wasserflächen und dem Altrhein.

„Wir haben zusätzliche Helfer angeboten. Die KABS hat die Unterstützung vonseiten des Bauhofs aber nicht in Anspruch genommen“, berichtet Stadtsprecher Christian Pfeiffer auf Anfrage. Denn nur die Hälfte der Flächen, in denen sich die Brutplätze der Schnaken befinden, seien überhaupt zu Fuß erreichbar. In den Bereichen, in denen der biologische Wirkstoff B.t.i. lediglich aus der Luft ausgebracht werden darf, konnten sich derweil eine Vielzahl an Schnaken entwickeln.

„Spaziergänge waren heftig“

Der hohe Rheinpegelstand und das warme Wetter bieten dazu derzeit ideale Bedingungen. „Wir haben mit einer Mückenplage wie vor 30 Jahren zu rechnen“, meint Bürgermeister Gottfried Störmer. Im Stadtarchiv finden sich vor allem Berichte aus den Jahren 1988 und 1991, in denen die „Blutsauger“ die Lampertheimer wohl massiv ärgerten. Die Telefone in der Stadtverwaltung hätten damals vor lauter Beschwerdeanrufen nicht still gestanden. An „Relaxen vor dem Haus“ sei nicht zu denken gewesen. Ein Rekord hätte gar bei 500 Stichen pro Minute gelegen.

Wobei die Erinnerungen der Einwohner recht unterschiedlich ausfallen. Beispiel: zwei Mitarbeiter unserer Zeitung. Bärbel Jakob denkt beim Stichwort 1988 vor allem daran, dass sie mit einem ihrer Söhne schwanger war. „An besonders furchtbare Schnakenstiche im Sommer kann ich mich nicht entsinnen. Aber wir wohnen eben in der Innenstadt und nicht am Wasser“, so die Spargelstädterin.

Dieter Stojan hingegen baute in jenem Jahr ein Haus und zog Buschbohnen im Garten in der Röntgenstraße. „Da war ich viel im Freien. Tagsüber gab es mit den Schnaken weniger Probleme, aber mit dem Einsetzen der Dämmerung wurden sie aktiv. Da ist man abends am besten rein ins Haus und machte die Türen und Fenster zu. Besonders heftig aber waren Spaziergänge am Biedensand oder im Wald. Da durfte man nicht stehenbleiben, sonst waren gleich ganze Schwärme von Stechmücken zur Stelle.“

„So schlimm wird es diesmal nicht“, beruhigt KABS-Direktor Norbert Becker, der nach Quellen des Stadtarchivs die 500 Schnakenanflüge in der Minute am eigenen Leib erfahren hat. In den 80er Jahren sei die Methode zur Bekämpfung der Schnaken immer weiter verbessert worden, erklärt er. Daher hätten die Mücken in den vergangenen Jahren weniger geplagt. Hinzu kommt, dass die hessische Landesregierung 1988 erstmals für die Bekämpfung der Schnaken im Naturschutzgebiet „Lampertheimer Altrhein“ eine Genehmigung erteilte.

In diesem Jahr soll die Leidenszeit der Lampertheimer etwa vier bis sechs Wochen dauern, schätzt Becker. „Es ist unsere Absicht“, betont Gottfried Störmer unterdessen, „die gewohnte Lebenssituation wieder herstellen zu lassen, die ermöglicht auch am Abend im Freien auf der Terrasse zu sitzen oder einen Spaziergang in der Natur zu unternehmen, ohne von den Schnaken zerstochen zu werden“.

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