Lampertheim

Landwirtschaft Familiäre Bande immer wichtiger, um Arbeitskräfte aus dem Ausland zu halten / Sturm fegt Folien von Spargelfeldern / Mehr Arbeit und höhere Kosten

Erntehelfer aus Osteuropa machen sich rar

Archivartikel

Lampertheim.Bundesweit sind die Landwirte besorgt, weil immer weniger Erntehelfer aus Osteuropa nach Deutschland kommen wollen. Besonders betroffen sind die Spargel- und Erdbeerbauern.

Derzeit unterstützen Gerd Knecht, Vorsitzender des Ortsbauernverbandes, zwei rumänische Erntehelfer. Aber wenn die Spargel- und Erdbeersaison vor der Tür steht, benötigt er wesentlich mehr. „Auf unseren Feldern arbeiten rumänische Erntehelfer“, erklärt Knecht. Er hat die Zusage von Saisonarbeitern, „aber ob die auch tatsächlich alle kommen?“, fragt sich der Landwirt. Polnische Erntehelfer kämen nur noch wenige.

Als Grund für das Fernbleiben sieht Knecht vor allem die bessere Bezahlung in Skandinavien. Außerdem kämen manche in anderen Wirtschaftszweigen, wie der Gastronomie oder auf dem Bau unter. Die Arbeit sei oftmals körperlich etwas weniger anstrengend als Spargelstechen und Erdbeerpflücken. Außerdem erfahre die Wirtschaft in Osteuropa einen Aufschwung, und da blieben die Arbeitskräfte im eigenen Land. Für Rumänen seien Deutschland und die Saisonarbeit auf den westeuropäischen Feldern noch interessanter als für die Polen, glaubt Knecht. „Auf alle Fälle“, resümiert er, „wird es immer schwieriger, Erntehelfer zu bekommen.“

Kollege Rigo Strauß bleibt dennoch gelassen. „Wir haben unseren Grundstamm an polnischen und rumänischen Helfern“, bekräftigt der Gemüsebauer. Aber auch er hat schon Erfahrung mit Fluktuation bei Erntehelfern. Dadurch entstünde Planungsunsicherheit. „Bundesweit wird es eng“, hebt Dr. Willi Billau, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Starkenburg, hervor. Aber auf Lampertheim sieht er derzeit noch kein gravierendes Problem zukommen. Zum einen hätten die Spargelstädter keine herausragend großen Betriebe, zum anderen seien die landwirtschaftlichen Familienunternehmen immer in gutem Kontakt mit den Erntehelfern.

Einige der Bauern seien mit Osteuropäern familiär verknüpft. „So ist noch eine soziale Bindung da“, erklärt Billau. Sollte es auch in der Spargelstadt eng werden, müssten die Bauern auf Maschinenkulturen zurückgreifen. „Aber kein Land hergeben!“, so Billau.

Zu schaffen machen den Landwirten im Moment vor allem die Auswirkungen des Sturms. Sie sind dabei, Schäden und Verwüstung zu beseitigen. Die orkanartigen Böen waren am Wochenende über die Felder gefegt und hatten im Spargel- und Erdbeeranbau Folien, Vlies und Tunnel weggeweht.

Mehrkosten durch Sturm

Gerd Knecht ist mit zwei Erntehelfern auf den Äckern unterwegs, da Folien von den Spargelbalken und ganze Folienhäuser weggeflogen sind. Da die sogenannten Verfrühungssysteme die Kulturen vor Kälte schützen sollen, müsse nun schnell gehandelt werden. Der Wiederaufbau bedeute mehr Arbeit und höhere Kosten. Eine Prognose, wann in diesem Jahr der Spargelanstich gefeiert werden kann, wagt Willi Billau nicht. „Ich hoffe, dass es keine langanhaltend heiße Periode gibt, die die Böden auslaugt, zu große Mengen Spargel produziert, die Saison zu schnell zu Ende gehen lässt und die Erntehelfer entkräftet“, sagte er unserer Zeitung. roi

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