Lampertheim

SPD Bergstraße Sommertour startet in Lampertheim / Bestandsaufnahme über Ausbildungssituation im Familienzentrum / Angebote wieder in Kraft

Erzieherberuf für Quereinsteiger eher unattraktiv

Lampertheim.Die Ausbildung ist lang, die Bezahlung schlecht und die Anforderungen werden immer höher. Neu sind die neuralgischen Probleme nicht. Der Berufsstand Erzieher kämpft seit Jahren damit. Doch wie an vielen anderen Stellen auch hat die Corona-Pandemie systematische Mängel verdeutlicht. Über 9000 Erzieher fehlen aktuellen Statistiken zufolge hessenweit. Zum Start ihrer traditionellen Sommertour hat sich die SPD Bergstraße deshalb für eine Bestandsaufnahme mit dem Familienzentrum Bensheim in Lampertheim eingefunden.

Im Alten Rathaus wollten die Sozialdemokraten um den Kreisparteichef Marius Schmidt vom Kreisbeigeordneten Karsten Krug wissen, wo der Schuh drückt und sich über Erfahrungen aus der Praxis informieren. Dass die Zahlen und Probleme nicht vom Himmel gefallen sind, wissen die Bergsträßer Genossen. „Das weiß man eigentlich schon seit zehn Jahren“, sagte Lampertheims Erster Stadtrat Jens Klingler, dessen Steckenpferd als Sozialdezernent besonders die Kinderbetreuung ist. In der Spargelstadt habe man deshalb schon vor Jahren eine Partnerschaft etwa mit freien Trägern wie dem Familienzentrum „stark gefördert und forciert“. Zumindest der Platzmangel konnte so in der Spargelstadt abgefangen werden.

Netzwerke schaffen

Das Familienzentrum Bensheim ist inzwischen Träger der neusten Kindertagesstätte „Farbenfroh“ in der Ringstraße. Außerdem wurde das Angebot für Eltern und Kinder in der Außenstelle Wormser Straße stark ausgebaut. „Wichtig ist uns nicht nur, allein die Betreuungsplätze zu decken, sondern vor allem Netzwerke zu schaffen, die in die Familien hinein wirken“, betonte Unterbezirksvorsitzender Marius Schmidt. Ein solches Netzwerk glaubt er im Familienzentrum gefunden zu haben.

Die Corona-Pandemie hatte allerdings auch dieser Einrichtung zunächst „den Stecker gezogen“ – und kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Silvie Freudenberger hatte als Projektkoordinatorin für Lampertheim gerade ein umfangreiches Konzept mit dutzenden Kursen und Treffen für Familien ausgearbeitet, als die Krise losbrach. „Nach zwei Veranstaltungen war schon wieder Schluss“, berichtete Freudenberger. Bis zu den Sommerferien liegt das Angebot mindestens brach, dann will man die Lage besprechen. Spätestens im Herbst soll es wieder losgehen mit Schmink-Workshops, Gärtnerkursen oder Fitnessangeboten. Um den Kontakt nicht abreißen zu lassen, hatten die Verantwortlichen in den vergangenen Wochen auch Online-Kurse angeboten.

Das „Drop-in“, ein Eltern-Kind-Treff, findet wieder statt. Eine Voranmeldung ist aber notwendig. Bei Bedarf werde der Montagvormittag-Treff auch in den Ferien stattfinden – dann auch im Stadtpark. Zwei weitere Programme laufen wieder an: Die „schnellehilfe“, eine Kinderbetreuung für Notsituationen, und die „starthilfe“, ein ehrenamtliches Projekt für junge Familien, würden bereits wieder genutzt.

Durch die Ausfälle sei das finanzielle Korsett zwar enger. „Einen Crash gab es aber nicht“, beruhigte Geschäftsleiterin Katharina Naegele. Auch in der Kita „Farbenfroh“ sei es zuletzt turbulent zugegangen – aber aus anderem Grund: Nach kurzer Zeit gab es einen Leitungswechsel, nach einer Übergangsphase soll eine neue Leiterin übernehmen.

Sorgen bereitet den Verantwortlichen indes die allgemeine Situation der Erzieher. Auf Nachfrage der Landtagsabgeordneten Karin Hartmann betonte Naegele, die Ausbildung müsse – egal bei welcher Qualifikation – einen praktischen Anteil haben.

Zeiten verkürzen

Für Quereinsteiger sei der Beruf aber sehr unattraktiv. „Wir haben eine ehemalige Grundschullehrerin, die noch dazu sechs Jahre Tagesmutter war. Sie muss nun zusätzlich drei Jahre Ausbildung absolvieren“, verdeutlichte Naegele. Sie plädierte dafür, die Zeit bei fachnahen Berufen zu verkürzen.

Ansonsten waren ihre Wünsche bescheiden. „Dass es endlich wieder losgeht. Und eine Standspülmaschine für die Kita“, sagte sie Naegele mit Blick auf Stadtrat und Kämmerer Jens Klingler.

Info: www.familienzentrum- bensheim.de

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