Lampertheim

SPD-Sommertour Lampertheimer Genossen besichtigen Gemüsebau Schmidt / Landwirt warnt angesichts des Preisdrucks vor Höfesterben

„Es muss ein Umdenken geben“

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Gemüsebauer Karl-Heinz Schmidt fühlt sich allein gelassen – von der Politik und den mächtigen Handelsketten. „Unsere Kosten steigen, das Gemüse soll aber billig bleiben. Die großen Konzerne können uns die Preise diktieren“, kritisierte er beim Besuch der Lampertheimer SPD im Rahmen ihrer Sommertour. Von der Politik forderte er mehr Unterstützung und ein „Umdenken“.

Bei Landwirten wie denen in dem Lampertheimer Traditionsbetrieb macht sich Ohnmacht gegenüber der großen Marktmacht von Discountern breit. „Wir handeln mit verderblicher Ware, haben Saisonarbeiter da, die bezahlt werden müssen. Wenn die großen Handelsketten mit dem Einkauf im billigeren Ausland drohen, haben wir keine Chance. Manchmal müssen wir dann fast zum Nulltarif verkaufen“, sagte Schmidt. Das sei kaum noch vermittelbar. Ändere sich daran nichts, prophezeit er vielen, kleineren Anbaubetrieben große Schwierigkeiten für die nahe Zukunft. Betriebe wie sein eigener auch.

Vom Anhänger in die Kühlkammer

150 Hektar Anbaufläche, bis zu 80 Mitarbeiter in der Spargel- und Erdbeersaison: Was für die 25 Gäste der SPD zunächst enorm klingt, sei im Wettbewerb nicht viel. Gemüsebau Schmidt ist noch immer ein Familienbetrieb, mittlerweile in sechster Generation. Was in der Römerstraße begann, findet seit 1987 außerhalb von Lampertheim in den Böllenruthen seine Fortsetzung. Auch Frau Annerose sowie die beiden Söhne samt Familie sind voll in den Betrieb integriert. Neben dem königlichen Gemüse baut die Familie Bohnen, Erbsen, Gurken und Salate an, vertreibt außerdem Rollrasen.

Die Genossen nahm der Landwirt mit in eine seiner großen Hallen, wo Buschbohnen verarbeitet werden. Auf Förderbändern gelangt das grüne Gemüse vom Anhänger in die riesigen Waschtrommeln und zur Sortierung per Hand. Anschließend geht es in die Kühlkammer, erst danach werden die Bohnen in kleine 500-Gramm-Beutel oder große drei bis fünf Kilo Holzboxen verpackt. Bis zu zwei Tonnen können so pro Stunde verarbeitet werden, über die Genossenschaft „Pfalzmarkt“ in Mutterstadt wird ein Großteil verkauft.

Sorgen bereiten dem Landwirt im Zusammenhang mit dem Preisdruck der Großkonzerne auch neuere Gesetze und steigende Bürokratie. „Der Mindestlohn und die neuen Arbeitszeitregelungen sind schon ein großes Problem für uns“, betonte er. Denn auch für Saisonarbeiter gelten feste Ruhe- und Pausenzeiten. Dadurch stiegen die Kosten erheblich, der für seine Lebensmittel erzielte Preis aber nicht. „Bisher konnte noch niemand Abhilfe schaffen“, erklärte Schmidt in Richtung der SPD. Er hofft in Zukunft besonders auf Hilfe aus der Politik. Die Schwierigkeiten, die den Gemüsebauer umtreiben, scheinen aber kaum auf lokaler Ebene lösbar.

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