Lampertheim

Kultur London Pub beteiligt sich mit humorvollen Lesungen und Musik am hessenweiten „Tag für die Literatur“ – mit viel Lokalkolorit

Es muss nicht immer Goethe sein

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Stadt? Lampertheim. Land? Hessen. Fluss? Alt- und Neurhein. So lauteten jüngst die Antworten auf das berühmte Familienspiel im London Pub. „Stadt, Land, Fluss“ war Namensgeber für das hessenweite Festival „Ein Tag für die Literatur“ – und sollte zu lokalem Bezug verpflichten.

Friedrich „Hacky“ Hackstein nahm sich dem Literaturfest an und lud in Kooperation mit cultur communal zu einem Kulturnachmittag im Biergarten seiner Kneipe. Dutzende Besucher amüsierten sich im vollbesetzten Garten des London Pub über humorvolle, satirische und zuweilen derbe Literatur mit musikalischer Begleitung. Natürlich alles aus Hessen – vorzugsweise aus der geliebten Spargelstadt.

Herrliches Sommerwetter, kunstvolles Ambiente im blühenden Garten, leichte Literatur und viel Gelächter – der „Tag für die Literatur“ im London Pub war ein voller Erfolg. Kneipier und Künstler „Hacky“ und cultur communal bewiesen, dass es nicht immer Goethe oder Schiller sein muss. Stattdessen gab es getreu dem Motto „Stadt, Land, Fluss“ Neues und Überraschendes zu entdecken.

Zwischen Skulpturen, bei Kuchen und Wein trugen Helmut Kaupe, Michael Tschirner und Friedrich Hackstein selbst hessische Geschichten und Gedichte vor, dazwischen sorgte Hans „Hennes“ Materna für musikalische Auflockerung mit regionalen Songs vom DJ-Pult. Im Inneren des Pubs ergänzte eine Kunstausstellung des Künstler-Stammtischs den Kulturnachmittag.

Helmut Kaupe griff das mottogebende Spiel auf. „Ein Zettel, ein Stift, mehr brauchte man nicht“, erinnerte er. Wie es der Zufall wollte, rief Kulturamtsleiter Rolf Hecher dann just in dem Moment „Stopp“, als Kaupe beim gedanklichen Alphabet beim Buchstaben „L“ gelandet war. Auch das gelegentliche Schwindeln und Erfinden von Fantasienamen gehöre eben zum Spiel, sagte der pensionierte Lehrer grinsend. So führte Kaupe mit Beruf: Lehrer im Land: Lampertheim und der Stadt: London Pub durch seine Lesung in Sprachform: Lyrik.

Eine Sammlung von vierzeiligen Klapphornversen ließ die Pub-Besucher auflachen. Das Gedicht „Der Lehmklumpen“ habe ihm als Lehrer den Einstieg in das Biologiethema Sexualerziehung erleichtert. Dabei wollte Kaupe auch die „anspruchsvolle Lyrik“ nicht vergessen und verlas Gedichte wie „An die Mädchen dieser Welt“ von Autoren der Neuen Frankfurter Schule, aus der später das Satiremagazin „Titanic“ hervorging.

Mit leichtem, kurzweiligem Humor sorgte er für manch derben Schenkelklopfer. Auch schwarzer Humor wurde beim Gedicht „Hessen nimmt Abschied von Freddie Mercury“ nicht ausgespart.

„Hacky“ selbst hatte sich das Buch der einen Badesalz-Hälfte Henni Nachtsheim „Dollbohrer“ ausgesucht. Ein Satirebuch, das sensationelle Funde wie ein Handkäsezimmer im Odenwald nahelegt und die literarische Welt revolutionieren soll. Michael Tschirner indes gab ein eigens verfasstes Gedicht in Mundart zum Thema „Wie es früher war“ zum Besten. Damals habe es etwa noch „Gschäffd uff de Gass“ wie den „Lumpesammler“ gegeben. Den Abschluss des Abends bildete die Lampertheimer Band „Roads to Rome“, die für ihre Rockmusik viel Applaus erntete.

Hessenweit beteiligten sich 199 Kulturveranstalter in fast 60 Städten am Feiertag der hiesigen Literatur. Damit ist das Festival zwischen Hofgeismar und Neckarsteinach das größte Literaturfest in ganz Hessen.

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